von Prof » Di 17. Nov 2009, 22:20
Seit der Klassik werden Hörner paarweise eingesetzt und nicht nach hohen und tiefen getrennt, d.h. immer 1 + 2, 3 + 4 usw.
Anton Bruckner weicht davon ab. Da sind bei den letzten drei Symphonien oft 2. & 3. zu tauschen, was dann folgende Paare ergibt: 1. + 3., 2. + 4.
Das Gleiche ergibt sich bei den Ring Opern Wagners, denn da müssen die entweder Wagnertubastimmen 2. & 3. ausgetauscht werden oder die korrespondierenden Hornstimmen 6. & 7. Beim ersten Quartett bleibt alles in gewohnter Ordnung: 1. & 2, 3. & 4.
Die Wiener Sitzordnung ist für den ersten Hornisten nicht gerade ideal, da er ständig vom zweiten angeblasen wird. Allerdings hört er dann besser, was der zweite Hornist & ff. spielen und kann dann - nicht beaufsichtigen - besser entscheiden, wann er verdoppelte Passagen mit "weniger Gas" blasen kann. In der Konzertsitzweise aus dem Musikvereinssaal hat der erste Hornist guten Kontakt mit dem Holz und dem Blech, wenn die Hörner aus Sicht des Dirigenten halbrechts auf dem Podium plaziert sind. Bei Karajan waren die Hörner meist auf der linken Seite. Da war dann die "deutsche" Sitzweise weit besser, um den Kontakt mit dem Holz zu halten.
Es hängt somit alles davon ab, wie die Stücke besetzt sind und wer dirigiert.
In der Oper sitzen die Wiener Hornisten meist ganz links vom Dirigenten. Hier hat der erste Hornist den Vorteil, daß er in der Wiener Sitzweise besser zur Bühne sehen kann. In München saßen wir ebenfalls meist ganz links vom Dirigenten. Der erste hatte aber kaum eine Chance, auf die Bühne zu blicken, während der vierte beste Sicht hatte (mit allen ??Konsequenzen??). Mehta wollte die Hörner immer in Met Sitzweise direkt rechts vor den Pauken, eine absolute Katastrophe. Aber man konnte im forte fast alles weglassen, da man sowieso nichts hören konnte. Der Klang war von der Pauke ausgelöscht. Wenn dann das Becken loslegte, flogen dem vierten echt die Sterne um den Kopf. Diese Sitzweise wollten die Bratscher auch für uns beim Fidelio durchsetzen. Da habe ich dann Zubin Mehta gefragt, ob ihm die Bratschen bei dieser "Horn-Oper" wichtiger wären als die Hörner. Das Problem war dann schnell gelöst.