Hallo zusammen,
ich habe wie Martin auch das Empfinden, dass die Kinder in der Schule heute weniger singen als die Kinder früher. Zu meiner Grundschulzeit waren das meistens auch noch sog. Volkslieder.
Meine Tochter musste jetzt in der 3. Klasse z.B. lernern, in welchem Alter Haydn seinen Stimmbruch hatte oder welche Instrumente in einem klassischen Orchester besetzt sind. Dinge, die ich damals erst 2-3 Klassenstufen später erfahren haben. Gesungen wird dafür aber erheblich weniger als in meiner Schulzeit.
Insgesamt finde ich an der gesamten Entwicklung im Schulunterricht schade, dass die Kinder viel weniger Raum haben selbst Dinge zu gestalten und sich selbst und Ihre Möglichkeiten kennen zu lernen, wie das z.B. beim Singen der Fall ist. Es gibt im Unterricht viel zu viel "angepappte Theorie".
Es bleibt auch zuviel an den Elten hängen. Da hat die Lehrerin Zeichnungen (nicht mal Fotos) der Blechblasinstumente herausgegeben und die Schüler mußten nach Angabe der Lehrerin die Namen der Instumente darunter schreiben. Meine Tochter hatte unter die Tuba geschrieben: "Fanfare". Ich habe das dann mit ihr zusammen besprochen und verbessert. Kurz darauf wurde schon wieder einer von vielen, vielen Tests geschrieben (über die Instumente). Aber es gibt doch sicher auch viele Eltern, die den Unterschied zwischen einer Tuba und einer Fanfare nicht kennen...... Und so ist das bei vielen Dingen. Ob es Musikinstrumente sind oder Erntemaschinen, fast nie bekommen die Kinder die Geräte in der Wirklichkeit zu sehen. Sicher, vielleicht übersteigt das die Möglichkeit der Schule jedes Ding das man kennen muss praktisch vorzuführen. Das jungste Erlebnis hat mich aber wirklich den Tränen nahe gebracht (das meine ich auch so): Sie mußten die Bauteile einer "Glühbirne" auswendig lernen (ob das sinnvoll ist, wenn die Produktion derselben eh bald verboten wird, sei mal dahin gestellt) anhand einer Zeichnung!! Ich habe aus dem Keller eine Glühbirne geholt (weil ich es besser und leichter fand am Originalobjekt etwas zu erklären) um zu erfahren, dass sie im Unterricht keine echte Glühbirne hatten!!!
Für das Einschrauben der Birne in eine Fassung brauchte meine Tochter zwei Versuche. "Das geht ja gar nicht so leicht". Das macht aber nichts, denn das "praktische Einschrauben" ist eh nicht prüfungsrelevant.
Mit dem Singen ist es wahrscheinlich genauso. Vielleicht müssen die Schüler in ein paar Jahren anhand einer Zeichnung lernen, wie ein Ton beim Gesang physikalisch erzeugt wird. Dann schreiben sie einen Test, bei dem sie die Zeichnung richtig beschriften müssen, um das Thema "Singen" danach ganz schnell wieder zu vergessen um im Hirn Platz für die "Kartoffschälmaschine" zu machen.
Positives möchte ich aber auch beitragen:
-Die Kirchengemeinden (egal welcher Konfession) die singen in der Kinder- und Jugendarbeit sehr viel. Die Kinder lernen das Singen also beim "Pfarrer" oder in der Gruppenarbeit bei den jeweiligen Betreuern, in der Schule im Religionsunterricht. Das sind aber eben keine "Volkslieder".
Ich habe als Kind zuhause allein oft gesungen "Geh aus, mein Herz und suche Freud". Meine Tochter singt nun "Laudato si" oder "Sei gepriesen, du hast die Welt erschaffen" - Manchmal geht einem als Eltern so viel "Heiligkeit" schon auf die Nerven

-In unsere Nachbarschaft (auf dem Dorf) lernt jedes Kind ein Instrument (Violine, Querflöte, Klavier, Oboe, Horn) in der Musikschule oder bei ausgebildeten Privatlehrern. Dank ihrer Eltern ist das möglich. Meine Eltern und die Eltern der Nachbarskinder konnten das damals noch nicht für uns tun. Wenn man Glück hatte (so wie ich) durfte man mit 10 Jahren in den "Verein" oder den Posaunenchor.
Insgesamt sehe ich also nicht nur schwarz. Aber die allgemeinbildenden, öffentlichen Schulen versagen meines Erachtens immer mehr. Bei der Musik und in vielen anderen Bereichen auch. Er liegt immer mehr an den Eltern und damit ist die soziale Ungerechtigkeit schon im Spiel. Auch bei der Musik. Schade und wenn wir es in allen Bereichen so weitertreiben: Gefährlich!