Liebe ForumsteilnehmerInnen,
ich habe dieses neue Thema erstellt, um euch mal meine Gedanken/Sorgen beim Forumlesen mitzuteilen, denn ich bin nur ein hornistischer Durchschnittslaie.
Wenn ich die vielen profunden Artikel lese, habe ich oft das Gefühl, nur minderwertig zu sein, denn die Antworten erscheinen mir zum Teil wie die Steintafeln, die Mose auf dem Berg Sinai (2. Mo 34,4) empfing. "Es ist so und so, daran ist nichts zu ändern!" Und zu oft erkenne ich, daß ich völlig anders bin, mich anders verhalte. Aber ich denke, daß ich deshalb weder ein völlig schlechter Hornist, noch ein ungebildeter Horst bin. Aber ich gehöre nicht zu denen, die schon morgens um 5 Uhr in der Frühe (und noch vor dem Morgenkaffee) das c''' und das G-1 blasen können.
Ich möchte hier keinen Generalangriff auf die Profis starten, Gott behüte, nein, denn auf die Ratschläge und Hintergrundinformationen möchte ich gar nicht verzichten, aber ich möchte hier nur mal eine Lanze für die brechen, die Spaß am Hobby Musik haben, die nicht Zeit/Geld/Lust in dem Maße zur Verfügung haben, um aus sich SpitzenmusikerInnen zu machen. Ich möchte bei den Profis & Semiprofis um Verständnis für laienhafte Einträge bitten, denn manchmal, mir geht es jedenfalls so, haben die Einträge solch eine "Wucht", daß man sich nicht (mehr) einzuschreiben traut, weil man Sorge hat, dafür anschließend zerrissen zu werden. Um es noch einmal klar zu sagen: Das soll kein Angriff sein - und auch kein Ablehnen guter Ratschläge durch Profis. Im Gegenteil! Diese Tips sind wichtig und wertvoll, ich habe schon mehrfach davon profitiert.
An vier Themen, ich trug dazu nichts ein, um nicht abzuschweifen oder sie zu verwässern, mache ich kurz deutlich, was ich meine.
Transponieren
Es mag sein, daß es gegen die hohe Kunst & gegen die allgemeine Bildung verstößt, wenn man als HornistIn nicht in der Lage ist, transponieren zu können. Aber ist es nicht wichtiger, daß die betreffenden Personen Spaß an der Musik haben, weil sie sie sogleich spielen können?
Ich schreibe das nicht, weil ich zu doof zum transponieren bin, Es, C, B, D, G, A & E (letzteres hasse ich wirklich!) geht schon, aber daran ermesse ich nicht meinen hornistischen Wert. Und es kommt auch schon mal vor, daß ich mir Stellen oder ganze Sätze nach F umschreibe, bevor ich sie in der Aufregung des Konzertes versemmele.
Beispiel:
Vor ein paar Jahren spielten wir die Hebriden (nicht gerade schwer für's Transponieren), aber mein Erster nahm sich lieber die F-Stimme, ich das Original. Es ist fein, wenn sich jeder so entscheiden kann, wie er will, oder? Der Musik, dem Dirigenten, den Mitmusikern und den Zuhörern war das egal!
Dvoraks 6., da saß ich mit einer von mir nach F umgeschriebenen Stimme (4. Satz) am 1. Horn, neben mir ein Hornstudent im 6. Semester als Aushilfe. Ich kann euch seine mir entgegengebrachte Verachtung nicht beschreiben - und nur, weil ich eben NICHT die Originalnoten benutzte! Das kann es doch nicht sein, oder?
Besonders schlimm ist, daß ich früher selbst einmal so puristisch war!
- Einschub: Ich habe schon oft mit studentischen Aushilfen gespielt - und es ist erschreckend, wie hochnäsig elitär sie sich (mit ihren 103ern!) aufführen, wie wenig Toleranz sie für Laien aufbringen. -
B/hoch F-Horn
So ein Instrument ist ein "Sportgeät, daß nur in erfahrene Hände gehört". Warum, wenn es doch einen schönen B-Teil hat? Viele Laien spielen doch auf reinen B-Hörnern.
Ich selbst überlege, im nächsten Konzert ein Alex 107 einzusetzen, weil ich mir erhoffe, es kräftemäßig so vielleicht (besser) zu schaffen. Aber ich gebe zu, Skrupel zu haben, weil man "soetwas" nicht macht - da wirkt das Forum schon... Ein befreundeter Hornist, natürlich auch Laie, schüttelte nur den Kopf, worüber ich mir Gedanken machen würde. Wichtig sein mein Spaß und mein Spielgefühl auf/mit diesem Horn. Hm...
Stimmen
Es gab hier gewiß sehr gute Vorschläge, aber bei den vielen Möglichkeiten rauchte mir der Kopf. Und c''' kann ich leider nicht als Stimmton nehmen. Alle Hörner werden per Stimmgerät "abgestimmt", was immer auf einen Kompromiß hinausläuft, den Rest müssen Lippen, Luft & Hand übernehman. Im Orchester nehme ich das e' und zur Kontrolle e''; da ich meine problematischen Töne und meine Spiel kenne, kann d'' eben mal 12 oder 3 sein. Für f'', und für diesen Hinweis bin ich dem Hr. Professor sehr dankbar, grundsätzlich 1. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn Lehrende mitgeteilt hätten, wie sie es mit/bei ihren Schülern halten.
Haydn-Bearbeitung
Vor ziemlich langer Zeit wurde über eine Haydn-Bearbeitung für Bläserquintett geschrieben, die meisten fanden es fast schon abartig, soetwas zu spielen. Ich fand und finde es auch heute noch für Laienmusiker und Zuhörer nett. Und ich gebe auch gerne zu, Asche auf mein Haupt, daß wir es auch vortrugen. Na und? Sich immer nur an ganz großer Literatur zu versuchen, bringt es meiner Meinung nach auch nicht, obgleich es manchmal großer Ansporn sein kann.
Kurz nach der Registrierungspflicht im Forum wurde von einigen Profis (?) mal bemängelt, daß es nur noch banale Themen, z.B. das Putzen von Hörnern, gäbe. Schon damals bat ich um Verständnis für uns Laien. Deswegen auch dieser Eintrag hier. Gerne lernen wir von euch Profis (hehe, ich jedenfalls), aber bitte ertragt es, wenn auch mal "dummes Zeug", ein laienhafter Beitrag eben, geschrieben wird.
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und Geduld.
Liebe Grüße
Michael_dL
