laienhafte DurchschnittshornistInnen

Fragen und Antworten zu Übungsmaterial, Literatur und Aufführungspraxis,..
Diskussionen rund ums Horn,...
...

Moderatoren: Günther, sysadmins

laienhafte DurchschnittshornistInnen

Beitragvon Michael_dL » Sa 27. Feb 2010, 14:14

Liebe ForumsteilnehmerInnen,

ich habe dieses neue Thema erstellt, um euch mal meine Gedanken/Sorgen beim Forumlesen mitzuteilen, denn ich bin nur ein hornistischer Durchschnittslaie.

Wenn ich die vielen profunden Artikel lese, habe ich oft das Gefühl, nur minderwertig zu sein, denn die Antworten erscheinen mir zum Teil wie die Steintafeln, die Mose auf dem Berg Sinai (2. Mo 34,4) empfing. "Es ist so und so, daran ist nichts zu ändern!" Und zu oft erkenne ich, daß ich völlig anders bin, mich anders verhalte. Aber ich denke, daß ich deshalb weder ein völlig schlechter Hornist, noch ein ungebildeter Horst bin. Aber ich gehöre nicht zu denen, die schon morgens um 5 Uhr in der Frühe (und noch vor dem Morgenkaffee) das c''' und das G-1 blasen können.

Ich möchte hier keinen Generalangriff auf die Profis starten, Gott behüte, nein, denn auf die Ratschläge und Hintergrundinformationen möchte ich gar nicht verzichten, aber ich möchte hier nur mal eine Lanze für die brechen, die Spaß am Hobby Musik haben, die nicht Zeit/Geld/Lust in dem Maße zur Verfügung haben, um aus sich SpitzenmusikerInnen zu machen. Ich möchte bei den Profis & Semiprofis um Verständnis für laienhafte Einträge bitten, denn manchmal, mir geht es jedenfalls so, haben die Einträge solch eine "Wucht", daß man sich nicht (mehr) einzuschreiben traut, weil man Sorge hat, dafür anschließend zerrissen zu werden. Um es noch einmal klar zu sagen: Das soll kein Angriff sein - und auch kein Ablehnen guter Ratschläge durch Profis. Im Gegenteil! Diese Tips sind wichtig und wertvoll, ich habe schon mehrfach davon profitiert.

An vier Themen, ich trug dazu nichts ein, um nicht abzuschweifen oder sie zu verwässern, mache ich kurz deutlich, was ich meine.

Transponieren
Es mag sein, daß es gegen die hohe Kunst & gegen die allgemeine Bildung verstößt, wenn man als HornistIn nicht in der Lage ist, transponieren zu können. Aber ist es nicht wichtiger, daß die betreffenden Personen Spaß an der Musik haben, weil sie sie sogleich spielen können?

Ich schreibe das nicht, weil ich zu doof zum transponieren bin, Es, C, B, D, G, A & E (letzteres hasse ich wirklich!) geht schon, aber daran ermesse ich nicht meinen hornistischen Wert. Und es kommt auch schon mal vor, daß ich mir Stellen oder ganze Sätze nach F umschreibe, bevor ich sie in der Aufregung des Konzertes versemmele.
Beispiel:
Vor ein paar Jahren spielten wir die Hebriden (nicht gerade schwer für's Transponieren), aber mein Erster nahm sich lieber die F-Stimme, ich das Original. Es ist fein, wenn sich jeder so entscheiden kann, wie er will, oder? Der Musik, dem Dirigenten, den Mitmusikern und den Zuhörern war das egal!
Dvoraks 6., da saß ich mit einer von mir nach F umgeschriebenen Stimme (4. Satz) am 1. Horn, neben mir ein Hornstudent im 6. Semester als Aushilfe. Ich kann euch seine mir entgegengebrachte Verachtung nicht beschreiben - und nur, weil ich eben NICHT die Originalnoten benutzte! Das kann es doch nicht sein, oder?
Besonders schlimm ist, daß ich früher selbst einmal so puristisch war!

- Einschub: Ich habe schon oft mit studentischen Aushilfen gespielt - und es ist erschreckend, wie hochnäsig elitär sie sich (mit ihren 103ern!) aufführen, wie wenig Toleranz sie für Laien aufbringen. -

B/hoch F-Horn
So ein Instrument ist ein "Sportgeät, daß nur in erfahrene Hände gehört". Warum, wenn es doch einen schönen B-Teil hat? Viele Laien spielen doch auf reinen B-Hörnern.
Ich selbst überlege, im nächsten Konzert ein Alex 107 einzusetzen, weil ich mir erhoffe, es kräftemäßig so vielleicht (besser) zu schaffen. Aber ich gebe zu, Skrupel zu haben, weil man "soetwas" nicht macht - da wirkt das Forum schon... Ein befreundeter Hornist, natürlich auch Laie, schüttelte nur den Kopf, worüber ich mir Gedanken machen würde. Wichtig sein mein Spaß und mein Spielgefühl auf/mit diesem Horn. Hm...

Stimmen
Es gab hier gewiß sehr gute Vorschläge, aber bei den vielen Möglichkeiten rauchte mir der Kopf. Und c''' kann ich leider nicht als Stimmton nehmen. Alle Hörner werden per Stimmgerät "abgestimmt", was immer auf einen Kompromiß hinausläuft, den Rest müssen Lippen, Luft & Hand übernehman. Im Orchester nehme ich das e' und zur Kontrolle e''; da ich meine problematischen Töne und meine Spiel kenne, kann d'' eben mal 12 oder 3 sein. Für f'', und für diesen Hinweis bin ich dem Hr. Professor sehr dankbar, grundsätzlich 1. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn Lehrende mitgeteilt hätten, wie sie es mit/bei ihren Schülern halten.

Haydn-Bearbeitung
Vor ziemlich langer Zeit wurde über eine Haydn-Bearbeitung für Bläserquintett geschrieben, die meisten fanden es fast schon abartig, soetwas zu spielen. Ich fand und finde es auch heute noch für Laienmusiker und Zuhörer nett. Und ich gebe auch gerne zu, Asche auf mein Haupt, daß wir es auch vortrugen. Na und? Sich immer nur an ganz großer Literatur zu versuchen, bringt es meiner Meinung nach auch nicht, obgleich es manchmal großer Ansporn sein kann.

Kurz nach der Registrierungspflicht im Forum wurde von einigen Profis (?) mal bemängelt, daß es nur noch banale Themen, z.B. das Putzen von Hörnern, gäbe. Schon damals bat ich um Verständnis für uns Laien. Deswegen auch dieser Eintrag hier. Gerne lernen wir von euch Profis (hehe, ich jedenfalls), aber bitte ertragt es, wenn auch mal "dummes Zeug", ein laienhafter Beitrag eben, geschrieben wird.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und Geduld.

Liebe Grüße
Michael_dL
Benutzeravatar
Michael_dL
 
Beiträge: 26
Registriert: Do 15. Jan 2009, 17:35
Wohnort: Berlin

Re: laienhafte DurchschnittshornistInnen

Beitragvon Peter » Sa 27. Feb 2010, 14:34

lieber Michael_dl,
ich kann Dich ganz gut verstehen.

Jedoch, sollen die Profis jetzt nichts mehr schreiben oder sich gar "auslinken"?

Natürlich hast Du recht, Musik und Hornspielen sollen Spaß machen und das Theoretische soll nicht zu sehr im Vordergrund stehen.
Natürlich weiß ich, das es Hornisten auf allen "Ebenen" gibt. Aber das ist doch nicht abwertend gemeint, sondern ganz im Gegenteil: Kommt in dieses Forum und fragt. Ich habe auch schon Fragen hier gestellt.

Ich fühle mich verpflichtet, nach bestem Wissen und Gewissen zu antworten. Es ist und war niemals beabsichtigt diese Antworten "von oben herab" oder gar "in spöttischer Weise" zu erteilen.

Nein, alle meine Meinungen waren und sind gutherzig als Hilfe gemeint.

Ich bitte das auch so auf zu fassen und den aufkeimenden Frust zu bekämpfen.
Benutzeravatar
Peter
 
Beiträge: 824
Registriert: So 3. Mai 2009, 23:26

Re: laienhafte DurchschnittshornistInnen

Beitragvon www_corno_de » Sa 27. Feb 2010, 19:11

Och, nun mach mal keine Komplexannahmestelle auf, lieber Michael. Auch die Profis kochen mit Wasser!
Thema transponieren, z.B. in E, da finde ich den Ansatz von den Schmid-Hörnern gar nicht doof. Und was soll ich sagen, Hermann Baumann spielte das Weber Concertino und das Reicha Quintett op.106 auf einem umgebauten Alexander-Horn in H ein. Ebenso Peter Damm, allerdings ist mir die Marke da nicht genau bekannt.
Also wenn du umschreibst, habe halt den Spaß im Hinterkopf und einen gewissen Ehrgeiz, vielleicht doch normale Transpositionen zu schaffen. Wenn Sie dich quälen und der Spaß echt zu leiden anfängt, dann schreib es halt um.

Studenten sind übrigens nicht nur zu dir überheblich, ich durfte unlängst mal wieder so etwas genießen. Unglaublich.

Haydn-Bearbeitungen gab es schon sehr früh, schon zu Lebzeiten von Herrn Haydn! Also warum nicht? Vielleicht sollte als einziges das Original nicht ganz vergessen werden.

Amateure im besten sind lerne ich in meinem Verlag als das wesentliche angenehmere Publikum kennen, sie sind interessiert, freuen sich über neues und manchmal kommt sogar ein dankbares Feedback zurück.

Das Du so reflektierst ist für mich ebenso hoffnungsvoll, du willst wirklich Freude an Musik haben.
Robert Ostermeyer Musikedition
Noten mit Horn
www.corno.de
Benutzeravatar
www_corno_de
 
Beiträge: 190
Registriert: Do 15. Jan 2009, 22:00

Re: laienhafte DurchschnittshornistInnen

Beitragvon Prof » Sa 27. Feb 2010, 22:16

Es gibt da aber noch eine einfachere Methode für die Stimmen in E:

den Großteil auf der F-Seite spielen. In der Höhe sind die Griffe sowieso gleich. Da hilft dann das B-Horn dort, wo es soll. Ganz einfache Lösung. Viel zweites Ventil, wie üblich. Da können jedoch die meisten "nur" B-Hornbläser nicht so leicht darauf kommen. Bei dieser Lösung gibt es keine "Griffverwirrung a la Pjönjang" oder so. Nana, wer wird denn da Schadenfreude haben ? Das ist doch unfair. Aber hinter der vorgehaltenen Hand kann man doch schmunzeln, oder.
Prof
 
Beiträge: 1273
Registriert: Do 15. Jan 2009, 20:04

Re: laienhafte DurchschnittshornistInnen

Beitragvon Mr.Masterbrass » So 28. Feb 2010, 01:13

Hallo lieber Michael_dL, geh doch zum Beispiel mal zu den Schwarzwälderhorntagen nach Staufen.
Dort ist eine ziemlich gemischte Gruppe von Hornisten, vom Anfängern bis angehende Profis vertreten.
Dort sind nicht nur Professoren vertreten, sondern auch Dozenten die in dem Laienbereich ständig arbeiten.

Merke, meistens gilt: guter Spieler (Naturtalente oder Hornisten die unbewusst gelernt haben) = weniger guter Lehrer (Sie können dir meistens bei Basisproblemen nicht so gut helfen).Du kannst aber sicher viele andere Sachen lernen, wenn du die Grundlagen schon mitbringst.
Spieler die sich viel mit grundsätzlichen Problemen auseinander setzen mussten, kein Naturtalent, eventuell kein so super Spieler = besserer Lehrer([i] für Basisprobleme wohl eher besser geeignet und auch mehr, kommt darauf an[/i]) .
Ist ja auch logisch so, eher selten das es da Ausnahmen gibt.
Dies ist auch meine persönliche Erfahrung gewesen.

Leider wurden früher (heute kann ich es nicht so genau sagen) viele Prof. Stellen (dies trifft sicher nicht nur auf den Hornbereich zu, auch viele andere Bereiche kranken daran ) immer mit Solisten oder super Spielern besetzt .
Aber leider nicht selten, mit einem wenig erfreulichem Ergebnis, da diese pädagogisch und methodisch oft überfordert waren.

Das führte dazu, dass an einigen Hochschulen zwar gut bezahlte Professoren saßen, aber keine Studenten mehr da waren, oder hingingen.
Ich vermute, dass es sich heute etwas gebessert hat.
Leider wurden auch viele, blastechnisch gesehen, weniger effektive Techniken verbreitet und vermittelt.
Auch dies ist im laufe der Jahre besser geworden, zum Glück.
Aber auch jetzt sind noch viele unterwegs, die nur Teilwahrheiten erzählen und deshalb für Verwirrungen sorgen.
Aber es wird besser, das ist das Wichtigste.


LG Mr.Masterbrass
Zuletzt geändert von Mr.Masterbrass am Sa 20. Nov 2010, 12:21, insgesamt 2-mal geändert.
Mr.Masterbrass
 
Beiträge: 198
Registriert: Fr 5. Feb 2010, 02:53

Re: laienhafte DurchschnittshornistInnen

Beitragvon Andreas » So 28. Feb 2010, 16:27

Bravo Michael!!!!!

Schon lange ist mir dieses Forum, mit den ständigen Wichtigtuern ein Dorn im Auge! Ich habe mich lange zurück gehalten, aber manchmal ist es wirklich frech, was manche Profis oder was immer Ihr auch immer seid, sich hier erlauben! Eigentlich kann man richtig darauf warten, wenn irgendjemand seine Meinung hier schreibt, dass sofort darauf erstmal geblockt wird! Und dann wird sich noch über Rechtschreibefehler aufgeregt, was ich für vollkommen unnötig halte! Hauptsache man beweißt erstmal dass man Recht hat!!! Ich bin selber Student, und finde es schrecklich wie sich diese Hornistenwelt zur Zeit entwickelt!!! Ich freue mich schon auf Antworten und bin gespannt was die GROßEN Künstler unter uns dazu sagen haben!
Mit freundlichen Grüßen, Andreas!
Andreas
 
Beiträge: 6
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 16:20

Re: laienhafte DurchschnittshornistInnen

Beitragvon Andreas » So 28. Feb 2010, 16:28

Bravo Michael!!!!!

Schon lange ist mir dieses Forum, mit den ständigen Wichtigtuern ein Dorn im Auge! Ich habe mich lange zurück gehalten, aber manchmal ist es wirklich frech, was manche Profis oder was immer Ihr auch immer seid, sich hier erlauben! Eigentlich kann man richtig darauf warten, wenn irgendjemand seine Meinung hier schreibt, dass sofort darauf erstmal geblockt wird! Und dann wird sich noch über Rechtschreibefehler aufgeregt, was ich für vollkommen unnötig halte! Hauptsache man beweißt erstmal dass man Recht hat!!! Ich bin selber Student, und finde es schrecklich wie sich diese Hornistenwelt zur Zeit entwickelt!!! Ich freue mich schon auf Antworten und bin gespannt was die GROßEN Künstler unter uns dazu zu sagen haben!
Mit freundlichen Grüßen, Andreas!
Andreas
 
Beiträge: 6
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 16:20

Re: laienhafte DurchschnittshornistInnen

Beitragvon Peter » So 28. Feb 2010, 17:21

Da ich möglicherweise auch zu den ständigen Wichtigtuern gehöre, die den Frieden der "normalen" zu stören scheint,werde ich mich zurückziehen!
Schade, ich habe gerne hier mit diskutiert.
Aber sei es drum: Ich will Euern Frieden nicht mehr stören
Adieu!
Benutzeravatar
Peter
 
Beiträge: 824
Registriert: So 3. Mai 2009, 23:26

Re: laienhafte DurchschnittshornistInnen

Beitragvon Kalli » So 28. Feb 2010, 17:36

Nun ja, so schnell würde ich mich nicht zurückziehen. Diese Leute, die sich jetzt negativ, verletzt oder auch nur eingeschnappt äußern, sollten doch nicht diejenigen wegärgern, die fachlich qualifiziert sich am Forum beteiligen. Der Ton mag ja manchmal etwas allzu harsch sein, aber wenn uns das stört, dann dürfen wir uns ja alle nicht mehr am Leben beteiligen. In diesem Sinne bäte ich Sie, lieber Peter, sich das doch noch mal zu überlegen.
Kalli
 
Beiträge: 5
Registriert: Di 17. Feb 2009, 22:36

Re: laienhafte DurchschnittshornistInnen

Beitragvon Andreas » So 28. Feb 2010, 17:56

Ich wusste das so eine Reaktion kommt. Wieso willst du dich jetzt fernhalten??? Es ist doch grade der Sinn eines Forums voneinander zu lernen! Das Problem ist allerdings, dass einfach der gegenseitige Respekt fehlt! Ich glaube manchmal können auch Profis von Laien lernen, vielleicht sogar mehr als anders herum! Man traut sich aber garnicht mehr was zu schreiben, weil man vorher weis, dass man wieder angemacht wird, und ich finde es manchmal fast beleidigend! Und ich habe niemand persönlich angesprochen! Es ist doch niemand von uns allwissend, egal wieviel Erfahrung jemand hat, man kann immer noch etwas dazu lernen! Es wird sich immer maßlos über die jungen Kollegen aufgeregt, aber die meisten die sich so aufregen, sind nicht besser! Also seid vernünftig und bleibt im Forum, es ist doch so eine tolle Sache! Und man muss nicht ständig beweisen, wer der Stärkere ist!
Liebe Grüße, Andreas!
Andreas
 
Beiträge: 6
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 16:20

Nächste

Zurück zu WIENERHORN FORUM

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 13 Gäste