Literatur Horn + Saxophon

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Literatur Horn + Saxophon

Beitragvon suerdes » Fr 15. Jan 2010, 11:13

Liebe Forumsteilnehmer,
ich bin auf der Suche nach ansprechender Literatur in der Besetzung Horn + Saxophon (Alt-Sax oder Sopran). Leider findet man selbst bei Koebl nur sehr wenig in Originalbesetzung und selbst davon rät die Saxophon-Leherin aus eigener Erfahrung ab.
Kennt jemand weitere Literatur oder hat jemand selbst schon einmal Werke in dieser Besetzung gespielt und für gut befunden? Umschreiben lässt sich zwar vieles (z.B. Stücke für Horn + Oboe), aber ob es dann in der gesuchten Besetzung auch zusammen passt ist eine andere Sache.
Daher bin ich für entsprechende Hinweise sehr dankbar!
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Re: Literatur Horn + Saxophon

Beitragvon Martin2 » Fr 15. Jan 2010, 18:32

Na, das ist aber auch ne seltsame Kombination. :shock:

Probiers doch einfach mit Noten für zwei gleiche Instrumente.
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Re: Literatur Horn + Saxophon

Beitragvon suerdes » Sa 16. Jan 2010, 12:11

Das habe ich auch schon probiert.
Ein immer wieder auftretendes Problem dabei ist, dass es für das Horn häufig zu hoch, für das Saxophon häufig zu tief wird. Schreibt man die problematischen Stellen jeweils für das andere Instrument um (also die zu hohen Hornstellen für Saxophon, die zu tiefen Saxophon-Stellen für Horn), geht meist der Charakter des Stückes/das wechselnde Spiel beider Instrumente verloren.

Was die Kombination angeht, so finde ich, passt Horn und Saxophon sehr gut zusammen, sofern das Saxophon eher auf einen dunklen, vollen Ton ausgerichtet ist. Bei Weihnachtsstücken und einfacheren Duetten hat es auch schon gut funktioniert. Jetzt bin ich eben auf der Suche nach mittelschweren Sachen, die in der Kombination passen. Da fehlt mir einfach der Überblick.
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Re: Literatur Horn + Saxophon

Beitragvon Martin2 » Sa 16. Jan 2010, 15:49

Und wenn man die Stücke so transponiert, daß es in etwa hinhaut? Auch ohne Stimmentausch?
Wenn sich beide Stimmen nicht extem außerhalb des Systems befinden (Notation), also nicht mehr als zwei Hilfslinien unter und über dem System haben, sollte das doch gehen. Der Sax- Spieler muß natürlich auch transponieren können oder man muß jedesmal umschreiben, was ja doch recht lästig ist.
Ein Wechsel der Melodie zwischen den Instrumenten ist aber doch auch sehr abwechslungstreich.
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Re: Literatur Horn + Saxophon

Beitragvon Prof » So 17. Jan 2010, 08:18

Es gibt noch ganz andere Instrumentenkombinationen, z.B. in Persien:

ein dem westnepalesischen Ka-ha ähnliches Blasinstrument mit einer kleinen Art Kesselpauken, gespielt am Grabmal eines bedeutenden Imams. Was ist ein Ka-ha ? Ein einem Sprachrohr ähnelndes Blechblasinstrument, ca. 120 cm lang, mit topfähnlichem Ende, zur Elefanten- bzw. Nashornjagd verwendet. Es wird nur ein einziger (schrecklicher) Ton produziert. Sicher gingen noch mehr, aber die Bläser sind noch nicht draufgekommen. Ich hab letztes Jahr ein solches Instrument erworben und an das Museum in Kremsegg weiter gegeben.

Die Perser erzeugen damit nur eine Umrahmung der Feierlichkeiten am Imam-Grab. Es tönt schauerlich.

So ist es auch mit anderen Instrumentenkombinationen, z.B. Saxophon und Horn. Bei manchen Hornisten, besonders mit dem B-Horn, mag sich ja eine passende Klangmischung mit dem Gequäke (dung-dong-dang-dong-dung) des Saxophons ergeben, was aber eher zum Mäuseverscheuchen dienen mag, denn als Musik gehört werden kann. Da empfehle ich eher die Kombination Radio - Fernseher und Plattenspieler zum Trio.

Demnächst bietet vielleicht irgendjemand ein Duo Viola-kleine Trommel an. Papier ist geduldig. Mit Hilfe der gängigen Musikschreibeprogramme läßt sich jede Stimme ruck-zuck austauschen. Man könnte auch ganze Opernpartien austauschen (Regisseure, AUFPASSEN !) z.B. Lohengrin in eine Hosenrolle verwandeln (Sopran), Elsa transponieren auf Alt, Telramund als böser Kontra-Tenor und Ortrud als Koloraturbass - nur weil man gerade diese Sänger zur Verfügung hat. Da bräuchte man Genies wie G.F.Händel, die auch ein Telefonbuch grandios vertont hätten und zwar in einer Weise, daß selbst bei Absenz einiger Sänger/Darsteller das Stück noch einigermaßen gut zusammengepaßt hätte. Aber diese Genies sind zumindest im musikalischen Bereich bereits ausgestorben. Ho-ho ! Der gute Geschmack eigentlich ebenfalls !
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Re: Literatur Horn + Saxophon

Beitragvon Martin2 » So 17. Jan 2010, 09:14

Lieber Prof,

Ich denke, daß es bei der Kombination Horn und Sax wohl eher um den Hausgebrauch geht, denn um die Verunglimpfung einer Oper.
Daß orientalische und asiatische Musik in europäischen Ohren eher als Krach daherkommt, liegt ja an den Hörgewohnheiten, mit denen man aufgewachsen ist. Natürlich ist Horn und Sax eine etwas ungewöhnliche Kombination, aber in moderner Blasmusik kommt das ebenfalls vor.
Und was soll, bitteschön, schon wieder das Rumgehacke auf dem B- Horn? Hast Du nicht selbst in einem Artikel der Zeitschrift "Clarino" daß B- Horn als für Laien ausreichend propagiert? (Bei Bedarf kann ich gerne zitieren.)
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Re: Literatur Horn + Saxophon

Beitragvon Prof » So 17. Jan 2010, 11:12

Das (nicht daß) Herumgehacke auf dem B-Horn ist kein Herumgehacke auf das B-Horn, sondern auf die B-Horn-Nutzer, die oft - echt oft - Töne produzieren, die mit dem Horn überhaupt nichts mehr zu tun haben, sondern sich nur als hohles "dunkelschwarzes" Gegröhle oder schlechter als kastrierte Trompeten oder kastrierte Posaunen (ohne Becher z.B.) anhören. Ähnliches gilt auch für viele F-Horn-Spieler, die nur laut Plärren - und das dazu noch gut finden. Durch die größere Zahl an mitschwingenden Obertönen wäre das weniger nervtötend. Die vielen "Gurken" machen das aber wieder wett, womit zwischen B-Horn- und F-Horn-Furzern (Es tut mir leid, man hört es so.) wieder Einstand herrscht.

Zum Glück gibt es aber in der Laienbläserschar auch gute Gruppen und manchen guten Bläser. Die halbberuflichen Bläser bzw. Bläserlehrer mag ich schon aus kollegialen Gründen und ohne die Umstände zu kennen nicht abqualifizieren oder in höchsten Tönen loben, da sie auf jeden Fall zur Erhaltung unserer Kultur beitragen, - jeder nach seinen Möglichkeiten. Es gibt jedoch auch sehr viele Bläser, die nur wegen der "Hetz/Gaudi/Fraternisierung" - oft als "Brauchtum" deklariert - dabei sind.

Lieber Martin, das Getute und Getrommle in Asien oder in Nahost hat nichts mit den Hörgewohnheiten zu tun. Das ist einfach archaisch und nicht weiterentwickelt. Höre Dir doch via Satellit-TV auf den arabischen Sendern (z.B. Nile TV oder Cairo) an, was da an Musik produziert wird. Alle Instrumente spielen die gleiche Melodie mit den gleichen Verzierungen, nur sind einige Gruppen oktavierend eingesetzt. Die indische Musik, die echte indische Musik, ist für uns viel zu kompliziert, um sie verstehen und genießen zu können, da in der indischen Musik z.B. die Mikrofiguren und die Zwischentöne selbst in der solo vorgetragenen Arie (sagen wir einfach Arie zu allen mit nur einem Instrument oder einer Stimme vorgetragenen Stücken.) ungeheure Bedeutung haben, während es bei uns sehr auf die "Harmonisierung" (den Vielklang) ankommt. Aber auch bei uns ist es höchste Kunst, z.B. eine Violinsolosonate zu komponieren oder zu spielen. Es gibt dergleichen auch in China z.B. die kleine Kniegeige oder die Shakuhachi-Flöte in Japan. Damit werden fantastische Stücke gespielt. usw. Da gibt es auch bereits beachtliche Versuche, traditionelle Instrumente und Musikelemente mit westlichem Instrumentarium und westlicher Harmonisierung zu verbinden.

Ich hatte einmal Gelegenheit, eine Probe des Staats-Gamelan-Orchesters im Sultanspalast von Yogjakarta (Java) anzuhören. Einfach faszinierend wie dieser 40- bis 50-köpfige Gong-Apparat zusammenspielt. Es hat aber auch keinen Sinn, das von Java zu uns zu "transponieren". Außerdem habe ich Musikgruppen in aller Welt "in loco" live erlebt, egal ob arabische, tibetische, südamerikanische, mexikanische, pazifische, chinesische, japanische, indonesische, burmesische, indische (da waren meine Frau und ich 2007 in Jaipur bei einem Slide-Guitar Spieler und Komponist von internationaler Bekanntheit - z.B. Ehrenbürger von Vancouver, höchster indischer Orden, usw. - in seinem Haus eingeladen; er hat die Slide-Guitar erst entwickelt), koreanische Musiker. Meine Information kommt nicht von CD-Booklets und CDs, sondern vom echten Erleben und aus Gesprächen mit diesen Musikern.

Und Blasmusik: Im Satz lassen sich sowohl Horngruppe als auch der Saxophonsatz gut kombinieren, da dabei ziemlich flächig gespielt wird, aber nicht im Soloduo, wo sich die Stimmen überhaupt nicht mischen. Und eigentlich hätte das Saxophon in unserer Blasmusik gar nichts zu suchen.
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Re: Literatur Horn + Saxophon

Beitragvon suerdes » So 17. Jan 2010, 16:15

Verehrter Martin2,
wie Sie richtig bemerkt haben, handelt es sich zunächst einmal um eine Kombination für den Hausgebrauch. Die Instrumente werden gespielt und da liegt es nahe, auch etwas zusammen zu machen. Was spricht dagegen?

Verehrter Prof., Ihr Beitrag zu Ka-ha ist interessant, hat aber mit dem Thema nichts zu tun.
Ihre Haltung zum Saxophon (Zitat: „… Gequäke …“) an sich und zum Duo Saxophon-Horn mag ich schon gar nicht mehr kommentieren wollen, scheinbar haben Sie hier Vorurteile oder es fehlt an positiven Beispielen. Auch kann man dem Saxophon, nur weil es im Vergleich mit dem einen oder anderen Instrument noch nicht die historische Reife hat, die Existenzberechtigung innerhalb „ihrer“ (?) Blasmusik nicht absprechen. Das hieße ja gleichsam, jede Entwicklung weg vom Status quo abzulehnen. So gesehen dürfte es ja dann auch kein Ventilhorn geben, weil es gegen die „reine Lehre“ ver- und deren „Hütern“ sauer aufstößt… Eine schaurige Vorstellung, die aber scheinbar in dem ewigen Gezeter zwischen B- und F-Hornisten ihren beharrlich gepflegten Neben(kriegs)schauplatz gefunden hat und auch bei diesem Thema wieder aufgerissen wird. Das langweilt!

Zudem: Wo wäre die Musik ohne Transkriptionen und die vielen herausragenden Künstler, die der „alten Literatur“ neues Leben einhauchen - sei es z.B. ein Sergeij Nakariakov (Trompete) mit seinen wunderbaren Violinkonzerten von Mendelssohn, sei es ein Raaf Hekkema (Saxophon) mit seinen 24 Capricen von Paganini usw. usw.

Aber zurück zur Frage:
Kennt jemand gute Stücke für die Kombination Saxophon-Horn?
Wenn nicht, ist es auch in Ordnung und man könnte die Diskussion hier beenden und zur wahren Kunst zurückkehren …
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Re: Literatur Horn + Saxophon

Beitragvon Prof » So 17. Jan 2010, 18:04

Das hat nicht mit Vorurteilen zu tun. Es paßt klanglich einfach nicht zusammen. Auch wenn Tom Varner (wer von Euch hat ihn denn schon live gehört ? Ich schon in USA !) ein superbes Jazzhorn spielt, paßt auch das Horn klanglich nicht zum Jazz. Ein geniales Violinkonzert von Mendelssohn-Bartholdy mit Trompete zu blasen, ist schon fantastisch. Das Strauss op.11 wird auch auf der Tuba gespielt. Ich habe schon die Pizzikato-Polka von vier Tubas geblasen gehört.

Warum gibt es dann doch das Gejammere nach Originalwerken ? Das widerspricht sich doch.
Es gibt genügend Original-Werke für jedes Instrument. Warum muß dann im Nachbarsgarten gefischt werden ? Darum allein geht es mir.

Es kann auch "Stille Nacht" von vier Saxophonen und einem Horn z.B. gespielt werden. Null Problem. Aber wie klingt das ?? Fürchterlich. Bach Cellosuiten vom Hornisten virtuos gespielt bleiben nur Beispiele des technischen Könnens des Hornisten, haben aber mit Musik an sich nichts mehr zu tun. Zu Hause zur persönlichen Ertüchtigung, ausgezeichnet, aber nicht öffentlich. So ist das auch mit einem Sax & Horn Duo. Wenn etwas ungewohnt ist, ist das doch kein Impetus, es sofort öffentlich zu versuchen. Man sollte lieber Selbstbeschränkung üben. Und, guter Geschmack ? Ist der ausgestorben ? Das trifft auch auf Blasmusik zu. Das trifft auf Komponisten zu, die oft meinen, eine Aneinanderreihung von möglichst vielen fremden und ausgefallenen Effekten würde Musik machen. Ohne melodische Idee funktioniert das aber nicht. Und die ganz großen kamen fast ohne Sondereffekte oder Sonderinstrumente aus, die großen Romantiker haben diese Effekte gekonnt, aber sparsam eingesetzt.
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Re: Literatur Horn + Saxophon

Beitragvon Altcorno » So 17. Jan 2010, 22:35

suerdes hat geschrieben:
Aber zurück zur Frage:
Kennt jemand gute Stücke für die Kombination Saxophon-Horn?
Wenn nicht, ist es auch in Ordnung und man könnte die Diskussion hier beenden und zur wahren Kunst zurückkehren …
Suerdes


Von der Sache her ist es halt so, dass die Kombination Horn/Saxophon von den Musikschreibern nicht frequentiert wird. Bleiben tasächlich nur Transskriptionen.

Ich hatte mir vor einiger Zeit das Perlenfischerduett (für Tenor und Bass von Bizet aus der gleichnamigen Oper Die Perlenfischer) schicken lassen, weil ich die Nummer mit einem Posaunisten zusammen spielen wollte. Das Stück gibt es auch als Arrangement für Horn und Saxophon im Verlag Molenaar.

http://www.sheetmusicplus.com/title/Les ... s/18309768

Dabei muß man wissen, dass die Holländer vielleicht bei Hoorn an das Es-Altohorn (in Miniatur-Gasbadeofenform) der Brassbands gedacht haben. Nun, da darf nicht so penibel sein. Man braucht für diesen Stück auch Klavier. Den Klavierauszug des Originals gibt es übrigens auch zum Runterladen im Internet für Unerschrockene.

Von der Sache her müßte man vielleicht auf Opernduette losgehen, die wie hier, von der Lage und Führung her passen, und diese umschreiben. Als Anregung gedacht.
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