Mundstück für Naturhorn

Fragen und Antworten zu Übungsmaterial, Literatur und Aufführungspraxis,..
Diskussionen rund ums Horn,...
...

Moderatoren: Günther, sysadmins

Mundstück für Naturhorn

Beitragvon Heribert Kröger » Do 17. Dez 2009, 09:26

Eine Frage an alle Naturhornspieler: Ist es eigentlich zwingend oder zumindest vorteilhaft, für das Naturhorn spezielle Mundstücke zu verwenden, u. U. auch noch verschiedene je nach Bogenlänge? Nach meiner Vorstellung müssten Wienerhorn-Mundstücke eigentlich ganz gut zum Naturhorn passen, aber selbst Windhager bietet spezielle Mundstücke für Naturhorn an.

Viele Grüße

Heribert
Heribert Kröger
 
Beiträge: 11
Registriert: Fr 16. Jan 2009, 14:44

Re: Mundstück für Naturhorn

Beitragvon RobLeicht » Do 17. Dez 2009, 11:27

Nach meinen Erfahrungen sollte die Geometrie des Mundstücks schon zu Mensur und Verkauf des Naturhorns passen. Natürlich kann ich auch mit dem Mundstück, das mein demgegenüber vergleichsweise schweres Alex 103 mit seinem größeren Rohrdurchmesser in Gang setzt, auch auf dem Naturhorn spielen - aber meine Windhager-Mundstücke sowohl fürs Inventionshorn als auch für mein Barockhorn leisten mir auffallend bessere Dienste. Wenn man aber schon dabei ist, dann läge es in der Linie derselben verlaufsgeometrischen Logik, bei unterschiedlichen Hornlängen (b-alto vs B-Basso) auch an unterschiedliche Mundstücksgeometrien und deren jeweilig angepasste Optimierung zu denken. Ich habe zwar jeweils für Barock- wie Inventionshorn drei Mundstücke da (lang/tief, mittel/mittel, hoch/kurz) - man merkt auch den Unterschied, aber dann kommt man doch auf das Feld des praktischen Kompromisses. Spielt man etwa in einer Situation, in der man ständig den Bogen wechseln muss (und das auch noch ziemlich flott), dann wäre es - glaube ich -, blöd die Situation auch noch ständig mit einem parallelen Mundstückswechsel zu komplizieren (obwohl das Mundstück sowieso vom einen Bogen runter und auf den anderen drauf muss). Da würde ich wohl eher bei einem MUndstück pro Sitzung bleiben. Hätte ich aber zum Beispiel B-Basso bei der Gran Partita zu spielen, falls sich die endlich die Gelegenheit böte, dann würde ich gewisss das Mundstück speziell für die langen Rohre hernehmen. Hätte ich, was Gott behüte, nie vorkommen wird, Haydn 51, 1. Horn, zu blasen, dann wäre in Satz 1, 3 + 4 das "hohe" Mundstück für das hohe Horn dran. Im langsamen Satz allerdings sind die aberwitzig (noch viel höhreren) hohen Töne eben nicht auf dem kurzen, sondern auf dem relativ langen Horn in Es zu spielen - und das geht merkwürdigerweise auf dem hohen Mundstück, wenn püebrhaupt, etwas eher als auf dem mittleren. Also: ausprobieren! Ansonsten: Physik ist gut, praktische Erfahrung ist besser.
Soweit - salue!
R.L.
RobLeicht
 
Beiträge: 113
Registriert: Do 15. Jan 2009, 11:00

Re: Mundstück für Naturhorn

Beitragvon Prof » Do 17. Dez 2009, 12:51

Jetzt muß ich aber einmal kurz dazwischenfragen:

Warum spinnen dann viele Bläser so extrem, daß das Mundstück nicht paßt, weil es gerade einen Zehntelmillimeter oder zwei im Durchmesser größer oder kleiner ist ? Warum verzweifeln viele Bläser, wenn sie "ihr" Mundstück verloren haben ?

Und dann diese Wechselei ???? Das widerspricht sich doch total, oder ?

Natürlich ist es besser, ein "Diskanthorn mit einem kleineren Mundstück mit kürzerem Kessel zu traktieren", im Prinzip, wohlgemerkt. Wer jedoch den horntypischen Seidenklang auch auf dem Diskanthorn erreichen will, sollte besser das gewohnte Mundstück verwenden, aber die Tongebung bzw. Luftgebung anpassen, bis auch mit diesen "Sportmodellen" der beabsichtigte Klang erreicht wird. Früher gab es auch noch die Regel: F-Horn = Trichtermundstück, tiefer Trichter, schmaler Rand, weite Bohrung; B-Horn= Kesselmundstück, (halb-) kurzer Kessel, breiterer Rand, engere Bohrung. Heute bläst man eigentlich "Kompromißhörner", d.h. B-Horn mit F-Horn gemischt = Doppelhorn. Dabei ist man bestens beraten, auch ein Kompromiß-Mundstück zu spielen, obwohl es mit einem Mundstück des Wiener Typs ausgezeichnet funktioniert.

Was sollte denn der Nutzer eines Tripelhorns machen ? Hallo Erfinder: baut doch sofort ans Horn ansteckbare Mundstückbehälter, damit während des Stückes je nach Verwendung der drei Seiten des Tripelhorns auch das Mundstück gewechselt werden kann. Dieser Behälter sollte auch ans Naturhorn anbringbar sein.

Und das Naturhorn ? Natürlich gab es da zwei verschiedene Mundstücktypen, aber nicht für die verschiedenen Längen, sondern für die verschiedenen Bläsertypen:

Das Barockhornblasen lasse ich hier aus, da es zu sehr schon in die Trompeterei hinein geht.

Primhorn (auch Piepsereihorn genannt), das nur die ganz hohen Stellen spielte oder Partien, die sich im Bereich ab g2 aufwärts bewegen. Dazu diente das kleinere Mundstück, - kleiner im Durchmesser.
Secundhorn (all-round-Horn der Beweglichkeitsklasse super I, spielt alles bis rauf zum c3 und runter bis in der tiefen Keller, melodiös, cantabile, häufige Stopferei), - mit durchschnittlicher Mundstückweite

Super-Secundhorn (auch Brummhorn genannt, mit Tiefgrunzerei) gab es damals gar nicht, wenngleich ich auch Mundstücke mit 18,5mm Durchmesser fand.

Diese extrem weiten Mundstücke, zusammen mit dem echten Trichter (keine Seele), erlaubten kaum ein fokussiertes Spielen, kaum Exaktheit, und waren hinsichtlich der Intonation eine Katastrophe. Aber man konnte mit den Tönen schön herumrutschen.

Wir haben heute ganz andere Mundstücke mit präzis gebohrter "Seele", exakt geformtem Rand und Trichter bzw. Kessel, Was soll da der Rückschritt in die hornistische Steinzeit, zumal jeder Dorffuzzi-Dirigent Präzision verlangt ? Nur als Alibi ? Nur als Geschäftsgag ? Die Mundstückwechselei hat einen großen Vorteil: wenn etwas daneben geht, dann schiebt man das auf den Mundstückwechsel (nicht genug Zeit für die Wechselei, zu großer Unterschied, usw.). Abgesehen davon finde ich es schlechthin anmaßend, wenn Laienbläser auch nur von den Extremstücken (z.B. Haydn 51) theoretisieren. Fragen ja, aber bitte keine Ratschläge. Dafür sind dann doch wir Profis zuständig.

Wenn Ihr das so macht mit der Wechselei, dann bitte keinerlei Gejammere mehr. Dann müßt Ihr eben mit der Malaise leben. Es könnte jedoch sein, daß Laienhornisten einfach derartige Spezialmundstücke brauchen, damit aus den verschiedenen "Dingern" halbwegs erträgliche Töne herauskommen. Außerdem haben dieselben Bläser die nötige Kohle, sich neben den Instrumenten "angepaßte" Mundstücke zuzulegen. Ich hätte gerne einmal Hörproben dieser Spezialisten, wenn es möglich ist. Dann kann ich ja meine Meinung revidieren.

Hört und seht Euch doch einmal "mnozilbrass" in Youtube an oder gleich auf der homepage: http://www.mnozilbrass.at
Das ist was, da stimmt alles. Und alles ist natürlich dazu nicht so unter den Fingernägeln herausgelutscht.
Prof
 
Beiträge: 1273
Registriert: Do 15. Jan 2009, 20:04


Zurück zu WIENERHORN FORUM

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 14 Gäste

cron