Jetzt muß ich aber einmal kurz dazwischenfragen:
Warum spinnen dann viele Bläser so extrem, daß das Mundstück nicht paßt, weil es gerade einen Zehntelmillimeter oder zwei im Durchmesser größer oder kleiner ist ? Warum verzweifeln viele Bläser, wenn sie "ihr" Mundstück verloren haben ?
Und dann diese Wechselei ???? Das widerspricht sich doch total, oder ?
Natürlich ist es besser, ein "Diskanthorn mit einem kleineren Mundstück mit kürzerem Kessel zu traktieren", im Prinzip, wohlgemerkt. Wer jedoch den horntypischen Seidenklang auch auf dem Diskanthorn erreichen will, sollte besser das gewohnte Mundstück verwenden, aber die Tongebung bzw. Luftgebung anpassen, bis auch mit diesen "Sportmodellen" der beabsichtigte Klang erreicht wird. Früher gab es auch noch die Regel: F-Horn = Trichtermundstück, tiefer Trichter, schmaler Rand, weite Bohrung; B-Horn= Kesselmundstück, (halb-) kurzer Kessel, breiterer Rand, engere Bohrung. Heute bläst man eigentlich "Kompromißhörner", d.h. B-Horn mit F-Horn gemischt = Doppelhorn. Dabei ist man bestens beraten, auch ein Kompromiß-Mundstück zu spielen, obwohl es mit einem Mundstück des Wiener Typs ausgezeichnet funktioniert.
Was sollte denn der Nutzer eines Tripelhorns machen ? Hallo Erfinder: baut doch sofort ans Horn ansteckbare Mundstückbehälter, damit während des Stückes je nach Verwendung der drei Seiten des Tripelhorns auch das Mundstück gewechselt werden kann. Dieser Behälter sollte auch ans Naturhorn anbringbar sein.
Und das Naturhorn ? Natürlich gab es da zwei verschiedene Mundstücktypen, aber nicht für die verschiedenen Längen, sondern für die verschiedenen Bläsertypen:
Das Barockhornblasen lasse ich hier aus, da es zu sehr schon in die Trompeterei hinein geht.
Primhorn (auch Piepsereihorn genannt), das nur die ganz hohen Stellen spielte oder Partien, die sich im Bereich ab g2 aufwärts bewegen. Dazu diente das kleinere Mundstück, - kleiner im Durchmesser.
Secundhorn (all-round-Horn der Beweglichkeitsklasse super I, spielt alles bis rauf zum c3 und runter bis in der tiefen Keller, melodiös, cantabile, häufige Stopferei), - mit durchschnittlicher Mundstückweite
Super-Secundhorn (auch Brummhorn genannt, mit Tiefgrunzerei) gab es damals gar nicht, wenngleich ich auch Mundstücke mit 18,5mm Durchmesser fand.
Diese extrem weiten Mundstücke, zusammen mit dem echten Trichter (keine Seele), erlaubten kaum ein fokussiertes Spielen, kaum Exaktheit, und waren hinsichtlich der Intonation eine Katastrophe. Aber man konnte mit den Tönen schön herumrutschen.
Wir haben heute ganz andere Mundstücke mit präzis gebohrter "Seele", exakt geformtem Rand und Trichter bzw. Kessel, Was soll da der Rückschritt in die hornistische Steinzeit, zumal jeder Dorffuzzi-Dirigent Präzision verlangt ? Nur als Alibi ? Nur als Geschäftsgag ? Die Mundstückwechselei hat einen großen Vorteil: wenn etwas daneben geht, dann schiebt man das auf den Mundstückwechsel (nicht genug Zeit für die Wechselei, zu großer Unterschied, usw.). Abgesehen davon finde ich es schlechthin anmaßend, wenn Laienbläser auch nur von den Extremstücken (z.B. Haydn 51) theoretisieren. Fragen ja, aber bitte keine Ratschläge. Dafür sind dann doch wir Profis zuständig.
Wenn Ihr das so macht mit der Wechselei, dann bitte keinerlei Gejammere mehr. Dann müßt Ihr eben mit der Malaise leben. Es könnte jedoch sein, daß Laienhornisten einfach derartige Spezialmundstücke brauchen, damit aus den verschiedenen "Dingern" halbwegs erträgliche Töne herauskommen. Außerdem haben dieselben Bläser die nötige Kohle, sich neben den Instrumenten "angepaßte" Mundstücke zuzulegen. Ich hätte gerne einmal Hörproben dieser Spezialisten, wenn es möglich ist. Dann kann ich ja meine Meinung revidieren.
Hört und seht Euch doch einmal "mnozilbrass" in Youtube an oder gleich auf der homepage:
http://www.mnozilbrass.atDas ist was, da stimmt alles. Und alles ist natürlich dazu nicht so unter den Fingernägeln herausgelutscht.