von Prof » Mo 12. Okt 2009, 19:30
Bei den Hornschulen und bei den meisten Instrumentalschulen gibt es heute ein großes Problem:
die Eltern und Lehrer wollen, daß die Kinder ganz schnell irgendwas irgendwo mitspielen können, o.k. Das ist ja nicht schlecht, hat aber den Nachteil, daß nur mitgespielt wird und ein Verständnis der Zusammenhänge selbst in den kleinsten Stücken nicht verstanden wird. Vom Intervallhören und - spielen braucht man da gar nicht zu reden. Das muß aber erarbeitet werden, da sonst nur eine eingeochste Nachäfferei bleibt. Diese Kinder können nicht Geübtes nie vom Blatt spielen, aber da fängt ja erst der Musizierspaß an, wenn man seinen Kumpeln irgendetwas an "schwarzen Kugeln auf weißem Grund und zwischen Strichen angesiedelt" in Töne umsetzen kann, und zwar spontan. Natürlich hat das bei Kindern Grenzen.
Wenn allerdings nach einer Hornmethode z.B. von Josef Schantl (92 Etüden für Anfänger, Große theoretisch praktische Hornschule) vorgegangen wird, dann erwirbt das Kind ziemlich schnell eine rhythmische Sicherheit zusammen mit einer ziemlich schnellen Intervallerkennung und Umsetzung. Die Kenntnis der verschiedenen Tonarten wird zusammen mit Artikulationszeichen, Variationen der Dynamik, Variationen in der Phrasierung und im Ausdruck sinnreich eingeübt, ohne die Kinder zu überfordern, sozusagen spielerisch. Dazwischen stecken dann immer kleine Vortragstücke zur Demonstration des Erlernten. Diese Übungen sind mit horntypischen Wendungen, die in der gesamten Literatur immer auftauchen, durchsetzt und trage so dazu bei, daß die Kinder schon im Antizipieren, also dem Vorausahnen der nächsten Phrase sicher werden. Das kann man bei den heutigen Unterrichtsmethoden nicht von allen Profihornisten sagen. Das Antizipieren ("wie es eben weiter gehen muß in der Stimme") muß geübt sein, sonst funktioniert alles nur mit "einhämmern". Da haben dann aber die Kinder dann nur so viel Spaß wie dressierte Hunderl und nicht mehr. Sie sollen aber richtig Spaß beim Musizieren haben.
Das geht aber bei der Schantl Methode natürlich erst viel langsamer als bei den neueren auf Kinder zugeschnittenen Methoden. Allerdings werden die Kinder, die z.B. in der Schantl Methode tapfer bleiben, nach sechs Monaten bis zu einem Jahr die anderen Kinder in der Bewältigung der gestellten Aufgaben fliegend überholen, da sie sich sowohl das bläserische Rüstzeug als auch die zur Bewältigung der kleinen Stücke notwendige Theorie inzwischen angeeignet haben. Es kann aber natürlich nicht erwartet werden, daß das mit allen Tonarten so funktioniert, aber wesentlich besser als nur das ewige C-Dur oder Es-Dur, bzw. B-Dur der meist aus der Trompeter- und Posaunengilde stammenden Bläserschulen für Kinder, die nicht auf dem F- sondern dem B-Verständnis kommen, was grundfalsch ist, da die klassische Notierung für Horn auf der F-Leseart aufbaut und sich selbst bei Transposition der Stimme immer an F orientiert.