George hat geschrieben:Ohne Netzwerk geht in den Orchestern fast nichts. Die Abstimmung über die Einladungen zum Probespiel findet ja nur anhand der schriftlichen Bewerbungen statt. Da gehts dann um ganz andere Dinge als instrumentale Fähigkeiten, nämlich Lehrer/Hochschule, Alter und bisheriger Werdegang. Wer da persönlich bekannt ist und gute Fürsprecher in der Gruppe hat, nimmt diese Hürde ziemlich leicht. Zu gut sollte man allerdings auch nicht sein - man bedenke den "Neid- oder Statusfaktor". Das Dasein als freischaffender Hornist hängt ebenfalls entscheidend vom persönlichen Netzwerk ab, wen empfiehlt die Gruppe, wer steht auf der Telefonliste, wer kann gut mit den Mitarbeitern der Orchesterdirektion.
Das muß aber differenziert werden. Bei den Kriterien um eine Einladung zu bekommen steht natürlich die persönliche Referenz ganz vorne, also "Mundpropaganda", dann Empfehlungen durch Lehrer & ev. Dirigenten, Pressestimmen. Das persönliche Alter des/der Kandidaten/innen muß in die Alterspyramide der Gruppe passen. Der persönliche bläserische Stil sollte absolut zur Gruppe passen (Ausbildungsort und dortige Ton- und Interpretationsvorstellungen). Vitamin "B" (wie Beziehung) spielt in der heutigen Situation kaum mehr eine Rolle. Viele (want to be) Kandidaten (weibl. & männl.) werden das nicht glauben wollen. Eine Diskriminierung der Weiblichkeit findet nicht statt. Der persönliche Ruf ist auch ausschlaggebend (also die Persönlichkeit).
Noch etwas Wichtiges:
Das allgemeine Bildungsniveau sollte über Grund- und Hauptschulniveau hinausgehen und möglichst akademisches Niveau erreichen, da das zum Verstehen der Werke symphonischer oder dramatischer Natur sehr wichtig ist. Da hakt es oft noch. Besonders das Verständnis der schönen Künste sollte vorausgesetzt werden können.
Als freischaffender Hornist hat man kaum mehr Überlebenschancen. Moviesoundtracks werden bei uns kaum mehr aufgenommen. Das war früher eine gute Einnahmequelle, aber Knochenarbeit für den vielseitigen Hornisten. Einspringerei bei Orchestern aller Art: bitte schminkt Euch das ab. Das ist fast vorbei. Außerdem, wer dazu qualifiziert ist, müßte auch bei jedem passenden Probespiel, vielleich mit Ausnahme der Solohorn-Probespiele, gewinnend zuschlagen können.
Wenn man unbedingt freischaffend tätig sein möchte, sollte man das als Teilberuf machen und für die Berappung der Grundbedürfnisse des Lebens noch einen anderen Beruf haben. Vom Idealismus kann man ja bekanntlich nicht leben.