Berufsaussichten für Hornisten

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Berufsaussichten für Hornisten

Beitragvon Altcorno » Mi 1. Jul 2009, 15:05

Wie sind die Chancen für jemanden, der gerade die Aufnahmeprüfung bestanden hat, nach Abschluß des Studiums eine Stelle als Hornist zu bekommen?

Gibt es hierzu Ermittlungen von berufsständischen Vereinigungen etwa, die z. B. die Anzahl der Plansstellen mit der Zahl der Absolventen vergleichen?
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Re: Berufsaussichten für Hornisten

Beitragvon Prof » Mi 1. Jul 2009, 15:34

Das kommt nur auf den jeweiligen Bläser und die frei werdenden oder schon unbesetzten Stellen an. Es ist grundsätzlich zu empfehlen, auf zwei Beinen zu stehen, d.h. die Musikerausbildung allein reicht nicht zum überleben. Da muß noch ein zweites Standbein aufgebaut werden z.B. Computergraphik, Animation, Statistiker, Programmierer, Pädagogik, Fremdsprachen, kaufmännisch, usw.
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Re: Berufsaussichten für Hornisten

Beitragvon Steffen » Mi 1. Jul 2009, 17:23

Ich habe mich vor kurzem mit Musikstudenten [nicht alle Horn, aber Blechbläser] diesbezüglich unterhalten - ich habe drei im Bekanntenkreis - da gehen ja einige (ich glaub fast alle) auch in Richtung Lehramt oder Musikschule usw., d.h. exakt das zweite Standbein, welches Prof erwähnte.
Ausserdem lernen die ja noch andere Instrumente, bzw. tlw. noch Gesang (Prof korrigiert mich bitte, wenn was nicht stimmt).
Nur ein kleiner Teil der Absolventen erreicht eine solche Anstellung als Hornist, Posaunist, Trompeter,[...] in einem Orchester oder Ensemble.
Und unter diesen Studenten gibt´s wirklich die absoluten Koryphäen.
Da ist aber wohl auch sehr viel Disziplin und "Üb-Fleiß" angesagt, das geht nicht mit 5 Minuten am Tag, oder wie unsereins in den techn. Studiengängen vor den Klausurwochen: "3 Wochen vor der Prüfung anfangen mit lernen [üben] reicht" (wobei da der endgültige Notenschnitt eine 2 vor dem Komma hatte...).

Was ich eigentlich sagen will ist - so wie in jedem anderen Beruf - wenn man in der glücklichen Lage sein darf, zu den Besten seines Standes gehören zu können, dann gibts auch kein Problem mit einem [guten] Arbeitsplatz, und das ist frei von jeglicher Statistik.

Frage an Prof und Musikstudenten/Absolventen/Profis im Forum:
Oder ist das beim Musikstudium anders, sprich, da würde nicht schon während des Studiums kräftig seitens den Orchestern/Ensembles geschaut und die Profs gefragt, wer von den Studenten passend wäre?
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Re: Berufsaussichten für Hornisten

Beitragvon Thomas » Mi 1. Jul 2009, 20:54

Eine Laufbahn als Instrumentallehrer taugt vor allem beim "Orchideenfach" Horn immer weniger als 2. Standbein bzw. Alternative zu einer Laufbahn als Orchesterhornist.
Die städtischen Musikschulen sind in vielen deutschen Bundesländern zumindest mittelfristig Auslaufmodelle. Immer häufiger werden TVöD (ehemals BAT) Stellen nach Verrentung eines Kollegen in miserabel bezahlte Honorarstellen umgewandelt.
(Vereinsgetragene Musikschulen zahlen ebenfalls schlecht.)
Genug Privatschüler zu haben, um davon leben zu können, dürfte bei Hornisten auch selten sein.

Wie gut man als Freischaffender Hornist zurecht kommt hängt, abgesehen vom Können auf dem Instrument, auch von Faktoren ab, auf die man kaum Einfluss hat.
Mann sollte auf alle Fälle ein guter "Netzwerker" sein.

Ich würde wie unser Professor eher eine andere berufliche Sparte als 2.Standbein empfehlen.
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Re: Berufsaussichten für Hornisten

Beitragvon George » Mi 1. Jul 2009, 22:04

Ohne Netzwerk geht in den Orchestern fast nichts. Die Abstimmung über die Einladungen zum Probespiel findet ja nur anhand der schriftlichen Bewerbungen statt. Da gehts dann um ganz andere Dinge als instrumentale Fähigkeiten, nämlich Lehrer/Hochschule, Alter und bisheriger Werdegang. Wer da persönlich bekannt ist und gute Fürsprecher in der Gruppe hat, nimmt diese Hürde ziemlich leicht. Zu gut sollte man allerdings auch nicht sein - man bedenke den "Neid- oder Statusfaktor". Das Dasein als freischaffender Hornist hängt ebenfalls entscheidend vom persönlichen Netzwerk ab, wen empfiehlt die Gruppe, wer steht auf der Telefonliste, wer kann gut mit den Mitarbeitern der Orchesterdirektion.
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Re: Berufsaussichten für Hornisten

Beitragvon Prof » Do 2. Jul 2009, 18:18

George hat geschrieben:Ohne Netzwerk geht in den Orchestern fast nichts. Die Abstimmung über die Einladungen zum Probespiel findet ja nur anhand der schriftlichen Bewerbungen statt. Da gehts dann um ganz andere Dinge als instrumentale Fähigkeiten, nämlich Lehrer/Hochschule, Alter und bisheriger Werdegang. Wer da persönlich bekannt ist und gute Fürsprecher in der Gruppe hat, nimmt diese Hürde ziemlich leicht. Zu gut sollte man allerdings auch nicht sein - man bedenke den "Neid- oder Statusfaktor". Das Dasein als freischaffender Hornist hängt ebenfalls entscheidend vom persönlichen Netzwerk ab, wen empfiehlt die Gruppe, wer steht auf der Telefonliste, wer kann gut mit den Mitarbeitern der Orchesterdirektion.


Das muß aber differenziert werden. Bei den Kriterien um eine Einladung zu bekommen steht natürlich die persönliche Referenz ganz vorne, also "Mundpropaganda", dann Empfehlungen durch Lehrer & ev. Dirigenten, Pressestimmen. Das persönliche Alter des/der Kandidaten/innen muß in die Alterspyramide der Gruppe passen. Der persönliche bläserische Stil sollte absolut zur Gruppe passen (Ausbildungsort und dortige Ton- und Interpretationsvorstellungen). Vitamin "B" (wie Beziehung) spielt in der heutigen Situation kaum mehr eine Rolle. Viele (want to be) Kandidaten (weibl. & männl.) werden das nicht glauben wollen. Eine Diskriminierung der Weiblichkeit findet nicht statt. Der persönliche Ruf ist auch ausschlaggebend (also die Persönlichkeit).

Noch etwas Wichtiges:
Das allgemeine Bildungsniveau sollte über Grund- und Hauptschulniveau hinausgehen und möglichst akademisches Niveau erreichen, da das zum Verstehen der Werke symphonischer oder dramatischer Natur sehr wichtig ist. Da hakt es oft noch. Besonders das Verständnis der schönen Künste sollte vorausgesetzt werden können.

Als freischaffender Hornist hat man kaum mehr Überlebenschancen. Moviesoundtracks werden bei uns kaum mehr aufgenommen. Das war früher eine gute Einnahmequelle, aber Knochenarbeit für den vielseitigen Hornisten. Einspringerei bei Orchestern aller Art: bitte schminkt Euch das ab. Das ist fast vorbei. Außerdem, wer dazu qualifiziert ist, müßte auch bei jedem passenden Probespiel, vielleich mit Ausnahme der Solohorn-Probespiele, gewinnend zuschlagen können.

Wenn man unbedingt freischaffend tätig sein möchte, sollte man das als Teilberuf machen und für die Berappung der Grundbedürfnisse des Lebens noch einen anderen Beruf haben. Vom Idealismus kann man ja bekanntlich nicht leben.
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Re: Berufsaussichten für Hornisten

Beitragvon Thomas » Do 2. Jul 2009, 19:56

Prof hat geschrieben:Als freischaffender Hornist hat man kaum mehr Überlebenschancen. Moviesoundtracks werden bei uns kaum mehr aufgenommen. Das war früher eine gute Einnahmequelle, aber Knochenarbeit für den vielseitigen Hornisten. Einspringerei bei Orchestern aller Art: bitte schminkt Euch das ab. Das ist fast vorbei. Außerdem, wer dazu qualifiziert ist, müßte auch bei jedem passenden Probespiel, vielleich mit Ausnahme der Solohorn-Probespiele, gewinnend zuschlagen können.

Wenn man unbedingt freischaffend tätig sein möchte, sollte man das als Teilberuf machen und für die Berappung der Grundbedürfnisse des Lebens noch einen anderen Beruf haben. Vom Idealismus kann man ja bekanntlich nicht leben.


Gerade im U-Musik Bereich ist viel weggebrochen in den letzten Jahren.
Musik zu TV Serien, Shows oder Werbung kommt doch heute fast nur noch "aus der Büchse".
Bei Musicals werden die Besetzungen so klein wie möglich gehalten und man weiss nie, wie lange eine Produktion läuft. Ein Ortswechsel lohnt sich alleine dafür auf jeden Fall nicht, da man zuhause dann schnell weg vom Fenster ist.
Einspringen kann man als Freischaffender eigentlich auch nur in freien Orchestern. Opern und Rundfunkorchester verpflichten dazu in der Regel festangestellte Kollegen anderer Orchester. Zum einen, weil die das Repertoire kennen (gerade in der Oper wichtig) und zum anderen, weil die ebenfalls gut dotierte Aushilfen zu vergeben haben.
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Re: Berufsaussichten für Hornisten

Beitragvon Martin2 » Do 2. Jul 2009, 20:05

Prof hat geschrieben:
Das allgemeine Bildungdniveau sollte über Grund- und Hauptschulniveau hinausgehen und möglichst akademisches Niveau erreichen....


Das muß aber differenziert werden.
JEDER, der Musik ausübt, muß sich damit befassen können, wie will er sonst eine Partitur lesen und / oder seine Stimme im Zusammhang des Ganzen begreifen? Mit Schulbildung hat das reichlich wenig zu tun. Und gute Allgemeinbildung ist nicht an den Schulabschluß gekoppelt.
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Re: Berufsaussichten für Hornisten

Beitragvon Hödlmoser » Do 2. Jul 2009, 21:37

Es ist schon alles gesagt worden!
Prof schreibt, daß ein zweites Standbein wichtig ist. Aber auch, daß man zur Gruppe passen muß. Sein Werdegang bewies aber, daß sich Qualität durchsetzt. Er wäre aber auch bei den Wiener Ph. eine Koryphäe geworden. Aber siehe oben. Mich haben schon Größen der Wphil beneidet, daß ich spielen kann, weil es mir Spaß macht (ich bin Dilletant, Amateur und habe nie ein Probespiel gemacht, obwohl der alte Prof das wollte). Außerdem spielt viel Glück mit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und die richtigen Leute zu kennen.
Unser Musikschulwerk in Oberösterreich hat so viele wirklich gute Hornisten herausgebracht, die auch das Zeug dazu haben, in Spitzenorchestern zu spielen.
Ich wünsche all diesen, daß sie auch das Glück haben, daß ihr Ton, ihre Musikalität und ihr Können so gewürdigt wird, daß sie auch eine gute Stelle bekommen.
Es ist traurig zu sehen, wie viel Liebe in das Studium gesteckt wird und der oder die MusikerIn schafft es nicht, die Stelle, die ihm oder ihr vorschwebt zu bekommen. Die Qualität des SEHR guten Durchnitts ist enorm.
Ich wünsche all diesen wirklich ambitionierten jungen Musikern, daß sie das Glück haben, den Posten, den sie anstreben, zu erreichen. Die Qualität bei uns ist so hoch, daß es wirklich oft nur aufs Glück ankommt.
Darum Kopf hoch! Wer wirklich will, schafft es auch!
Es geht ja eigentlich mehr um das Lebensglück!
Nicht unbedingt um die oder jene Stelle.
TOI,TOI, Toi ihre jungen Wilden!
Ich bewundere euch!
Liebe Grüße vom Hödlmoser!
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