Instrument aus China!

Fragen und Antworten zu Übungsmaterial, Literatur und Aufführungspraxis,..
Diskussionen rund ums Horn,...
...

Moderatoren: Günther, sysadmins

Re: Instrument aus China!

Beitragvon dirk » Mi 3. Feb 2010, 17:07

Genau Peter,
zu sagen ich kaufe kein Chinahorn ist (heute noch) leicht getan.
Ich kaufe aber auch keine Hörner aus Japan mehr und keine aus USA.
Dass ich damit wahrscheinlich wenig bis nichts bewirke ist klar. Aber ich MUSS das einfach so machen.
dirk
 
Beiträge: 132
Registriert: Do 15. Jan 2009, 16:31

Re: Instrument aus China!

Beitragvon Raphael » Mi 3. Feb 2010, 23:11

Ich muss bei diesem Thema Martin2 zustimmen. Man sollte kein Horn unter dem Niveau eines Hoyer 801 kaufen. Meiner Erfahrung nach ist das das günstigste Instrument, das beim Spielen nicht negativ auffällt. Klar gibt es deutlich bessere Hörner, aber ich spiele mein 801 nun seit 8 Jahren, und habe nur ein Mal das Gefühl gehabt, dass das Horn der limitierende Faktor ist (konkret war das am Ende der Sinfonie Nr. 3 für Orgel und Orchester von Widor, wo sehr große Dynamik gefragt ist. Eine von sechs Aufführungen habe ich auf einem Alex 103 gespielt, und kam mit weniger Anstrengung bei besserem Ton deutlicher durch). Ein Roy-Benson-Doppelhorn, das immerhin 1900€ gekostet hätte, machte, als ich es testete, schon nach 3 Tönen mit auffallend schlechter Intonation auf sich aufmerksam; ganz abgesehen davon, dass das Mundstück nur 5 mm in das Mundrohr passte. Das Yamaha 567 soll wohl von ähnlicher Qualität wie das Hoyer sein, habe aber noch nie eins probiert.
Raphael
 
Beiträge: 102
Registriert: Do 15. Jan 2009, 13:17
Wohnort: Allgäu

Re: Instrument aus China!

Beitragvon Prof » Do 4. Feb 2010, 22:33

Eine Frage an die Protestierer:

Schmeißt Ihr Eure TV-Anlagen, Stereo-Anlagen, PCs, Audio- Video-Geräte, Zahnarzt-Maschinerie auch gleich mit weg, nur wegen der Politik ? Und wie ist es mit Textilien ? Nicht die billigen, sondern höchstwertige Markenware ? Das ganze Zeug wird nämlich wegen der Geldgier unserer Produzenten (Textil: bis zu 700% Spanne, siebenhundert Prozent) schon lange in China hergestellt. Wenn ein PC hier zusammengebastelt wird, stecken doch über die Hälfte Teile aus China drinnen, Prozessoren, Drives, Gehäuse, Trafo, Bildschirm, usw. Selbst die Programme werden zum Großteil schon lange in China geschrieben. Warum wohl ist Bill Gates in China ?
Prof
 
Beiträge: 1273
Registriert: Do 15. Jan 2009, 20:04

Re: Instrument aus China!

Beitragvon Martin2 » Fr 5. Feb 2010, 13:57

Keine Ahnung, was Bill Gates in China will oder macht. Ist mir auch egal.
Wie gesagt, es ist natürlich schwierig, sich in allen Lebenslagen dran zu halten. Das andere Problem: Wenn man die Produkte boykottiert (etwa wg. Kinderarbeit) trifft man einerseits die Falschen (denn die brauchen die paar Pfennige zum Überleben), andererseits aber müssen die Chinesen (wie die Amis auch) endlich mal begreifen, daß es so nicht richtig ist. Leider haben solche Länder weder das Einsehen, noch habens sie es nötig, solche Proteste an sich heran zu lassen. Aber das ist in allen totalitären Systemen der Fall - siehe Iran.
Martin2
 
Beiträge: 507
Registriert: Fr 16. Jan 2009, 19:40

Re: Instrument aus China!

Beitragvon Raphael » Fr 5. Feb 2010, 14:55

Einer der negativen Aspekte der Globalisierung ist nunmal, dass man sich nicht mehr gegen Produkte aus China oder Fernost im Allgemeinen stellen kann. Die Textilkonzerne fallen hier, wie Prof Pizka schon bemerkte, besonders negativ auf. Die Skijacken des amerikanischen Herstellers Spyder zum Beispiel, die aufwärts von 400€ kosten, werden zu Dumpinglöhnen in China genäht. Die Qualität ist dennoch hervorragend, aber hier sind jegliche ethische Prinzipien der Unternehmensführung verloren gegangen.
Raphael
 
Beiträge: 102
Registriert: Do 15. Jan 2009, 13:17
Wohnort: Allgäu

Re: Instrument aus China!

Beitragvon dirk » Fr 5. Feb 2010, 15:54

Prof hat geschrieben:Eine Frage an die Protestierer:

Schmeißt Ihr Eure TV-Anlagen, Stereo-Anlagen, PCs, Audio- Video-Geräte, Zahnarzt-Maschinerie auch gleich mit weg, nur wegen der Politik ? Und wie ist es mit Textilien ? Nicht die billigen, sondern höchstwertige Markenware ?


Was ich für Hörner gesagt habe gilt auch für alle anderen Produkte die ich künftig kaufen werde. Ich schmeiße nicht alles weg, was ich habe aber bei Neukäufen werde ich versuchen, mich danach zu richten. Im Detail (z.B. bei Elektronik) kann ich natürlich nicht immer wissen oder herausfinden, ob Teile aus entsprechenden Ländern verarbeitet sind. Aber bei offensichtlichen von dort stammenden Produkten will ich das künftig so machen. Auch wenn ich dann mal auf etwas verzichten oder länger sparen muss. Dass das ein winziger und unvollkommener Schritt ist mir klar.

„Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern."
-afrikanisches Sprichwort-
dirk
 
Beiträge: 132
Registriert: Do 15. Jan 2009, 16:31

Re: Instrument aus China!

Beitragvon Prof » Sa 6. Feb 2010, 07:33

Lieber Dirk !

Du wirst kaum mehr Produkte finden, die nicht Teile aus China, Pakistan, Indien, Indonesien, Malaysia, Singapore usw. enthalten. Die komplette Palette der elektronischen Geräte wird heute dort hergestellt. Indien hat die Todesstrafe abgeschafft, dafür gibt es (noch immer) Witwenverbrennungen und Versuche, kleine Mädchen ins Feuer zu stoßen.

Es macht auch keinen Unterschied, ob die Geräte unter einem Phantasienamen und "made in China" vertrieben werden, oder ob (wenn überhaupt) auf den wenigen hier noch zusammemgeschusterten Geräten ein deutscher Markenname steht. Außerdem werden auch "deutsche" Markengeräte komplett in z.B. nach China verlagerten Fabriken hergestellt.

Was sollen denn diese ewigen Spitzen gegen China ? Tibetproblem ? Chinesische Soldaten befinden sich seit 1750 in Tibet u.z. auf Anforderung des damaligen Dalai Lama. Das wurde mit Vertrag geregelt. Diese Schutztruppen waren wegen der Gurkhaüberfälle notwendig. Was in den Fünfzigerjahren nach dem Aufstand passierte, war natürlich eine Katastrophe. Du müßtest aber sehen, wie es jetzt in Tibet z.B. mit der Infrastruktur aussieht und was jährlich verbessert wird. Ich habe es vor Ort gesehen. In China werden politischen Gegner nicht zum Tode verurteilt, aber Rauschgifthändler wie auch in Malaysia, Singapore, Indonesien usw. auch. Und wegen schwerster Verbrechen z.B. Vergewaltigung, Raub, Raubmord, Mord, Sprengstoffanschlägen, schwere Brandstiftung, aber auch wegen schwerster Wirtschaftskriminalität und Korruption.In Japan und in den USA gibt es auch noch immer die Todesstrafe. Wie steht es dann mit den Produkten von Apple und Microsoft ? Auch nicht kaufen ? Wir sehen alle nur die von Amnesty International vorgelegten Gesamtzahlen und vergessen dabei die gewaltige Menge der Menschen dort. Das allein multipliziert schon.

Und noch ein kleines Stück zurück in der Geschichte: vorher haben Reiterarmeen der Tibeter jahrhundertelang Westchina immer wieder überfallen und ausgeraubt z.B.

Damit die Sache wieder hornmäßig wird:

die Horntradition in Form von zusammenschiebbaren in der Spielweise lurenähnlichen Metallblasinstrumenten ist in Tibet auch heute noch weitverbreitet. Dabei gibt es ziemlich kurze, mit einem Drachenkopf versehene Instrumente von ca. 50 cm Länge, vier und noch mehr Meter lange Tieftöner und alles dazwischen. Die drohenden oder nur lauten "Klangereignisse", wertfrei betrachtet und gehört, ergeben mehr oder minder eine große "Kakophonie". Es wird nur ein einziger Ton produziert. Die Stimmung bzw. Intonation untereinander hat keinerlei Bedeutung (das soll es auch hierzulande geben !!!). Vielleicht gilt dort ebenso der Spruch: "Schön laut ist zumindest im Wortlaut schön."

Vereinzelt habe ich im tibetischen Raum auch aus Ochsen- bzw. Widderhörnern angefertigte quasi Jagdhörner oder "Verständigungsinstrumente" gesehen. In der Nähe von Westnepal sollte es auch das "Kaha" geben, ein bis Zentralindien einst verbreitetes Jagdinstrument, das eher einem langen Sprachrohr gleicht. Im Vorjahr konnte ich eines dieser Instrumente erwerben. Es ist wie die Tempelhörner ein konisches Rohr in Teleskop-Ausführung, hat aber am Ende einen weiten geraden Topf. Das Nurasingh ist ein eher der Lurengruppe zuzuordnendes Instrument, das aber erst ab Nepal zu finden ist. Es besteht aus sich verjüngenden gebogenen Teilen, die mit einer an den Bajonettverschluß (siehe Leica !) erinnernden Verbindung zusammengehalten werden. Das Nurasingh wird auch in der Art der Luren gespielt und gehalten.
Prof
 
Beiträge: 1273
Registriert: Do 15. Jan 2009, 20:04

Vorherige

Zurück zu WIENERHORN FORUM

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 16 Gäste

cron