Wagnertuben - welche sind die Besten?

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Re: Wagnertuben - welche sind die Besten?

Beitragvon Martin2 » Do 8. Okt 2009, 15:06

Gehören die Wagner- Tuben eigentlich zur Horngruppe oder sind sie den Tuben zuzurechnen? Kunitz schreibt in seiner "Instrumentation", daß bei Wagner diese Instrumente als Erweiterung der "Tubengruppe" gedacht waren. Somit gehören die aus dem österreichischen Tenorhorn entwickelten WTs also eher zu den Tuben als zu den Hörnern und werden nur von Hornisten gespielt, weil das Mundstück identisch ist (wie auch die Sopranposaune meist von Trompetern geblasen wird).
Erhielte man nicht den gleichen Klangeffekt, wenn man enge Tenorhörner mit (zu) kleinen Posaunenmundstücken versehen würde? (Wäre zudem billiger.) Meines Wissens nach sollten die WTs ein Mittler zwischen Horn- und Posaunenregister sein.
Also weicher im Klang als Posaune, aber markiger als Horn.
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Re: Wagnertuben - welche sind die Besten?

Beitragvon Altcorno » Mo 19. Okt 2009, 18:52

Martin2 hat geschrieben:Gehören die Wagner- Tuben eigentlich zur Horngruppe oder sind sie den Tuben zuzurechnen? Kunitz schreibt in seiner "Instrumentation", daß bei Wagner diese Instrumente als Erweiterung der "Tubengruppe" gedacht waren. Somit gehören die aus dem österreichischen Tenorhorn entwickelten WTs also eher zu den Tuben als zu den Hörnern und werden nur von Hornisten gespielt, weil das Mundstück identisch ist (wie auch die Sopranposaune meist von Trompetern geblasen wird).
Erhielte man nicht den gleichen Klangeffekt, wenn man enge Tenorhörner mit (zu) kleinen Posaunenmundstücken versehen würde? (Wäre zudem billiger.) Meines Wissens nach sollten die WTs ein Mittler zwischen Horn- und Posaunenregister sein.
Also weicher im Klang als Posaune, aber markiger als Horn.


Wagner hatte vorrangig eine Klangvorstellung im Kopf, die er zu verwirklichen suchte. Auf dem Weg zur Wagnertube gab es einige Experimente: Cervenys Cornon war ein Tenorhorn ähnliches Instrument mit Hornmundstück. Hornisten beim Militär sollten auf dieses Instrument umsatteln, um mehr Volumen für die Freiluftmusik erzeugen zu können. (Es ist m. E. unverständlich, warum Kunitz die WT als ungeeignet für Blasorchester bezeichnet.)

Saxhörner wurden anfänglich ebenfalls in Erwägung gezogen. Die Klangvorstellung trafen erstmals (nach Meltons bereits erwähntem Buch) Ottensteiners Tuben 1875, die eine Weiterentwicklung der Cornone darstellten. Diese wurden auch in Wien eingesetzt. Kennzeichnend war eine engere Mensur als die von heute außerhalb Wiens gebräuchlichen Tuben. Alexanders weiter mensurierte Tuben kamen erst 1908 heraus und prägten die Klangvorstellung der Wagnertube - nach Wagner.

Somit dürften die Wiener Tuben, historisch gesehen, Wagners eigener Vorstellung heute am ehesten entsprechen.
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Re: Wagnertuben - welche sind die Besten?

Beitragvon Martin2 » Mo 19. Okt 2009, 23:02

Die weitere Mensur heutiger WTs oder der WT von Alex (1908) dürfte einhergegangen sein mit der allgemeinen Erweiterung der Mensuren bei Blechblasinstrumenten, die seit Cerveney einsetzte und teilweise "bedrohliche" Ausmaße annahm (z.B. bei den Hörnern das Kruspe / Horner Modell). Wenn alles Blech im Orchester klangstärker wurde, mußte das bei den WTs halt auch so sein. Würde man heutzutage mit engen Ventilhörnern der Ära Schumann im groß besetzten Sinfonieorchester spielen, wären sie vermutlich kaum noch zu hören. Bei den Trompeten ist das sehr deutlich zu sehen: Kaum jemand benutzt noch eine Heckeltrompete. Sie ist durch die Kölner Trompete ersetzt worden; und das bereits vor dem Krieg. Schlimm ist es, wenn Bigbore- Perinettrompeten verwendet werden.
Die Kunitz- Bücher muß man aber auch aus ihrer Zeit heraus lesen. Die Wissenschaft ist heute weiter als noch in den 1950er Jahren, als diese Bücher entstanden. Für historische Aufführungspraxis hat sich damals fast niemand interessiert, was aus den Besetzungsempfehlungen, die Kunitz ausspricht, ja klar ersichtlich ist, z.B. Trompete statt Corno da caccia. Letztere, ausgestattet mit Ventilen, gabs zu Kunitz Zeit allerdings auch noch nicht, was wiederum seine Empfehlungen berechtigt.
Schaut man sich die Mensuren enger Tenorhörner an und vergleicht sie mit weiten WTs, ist außer dem Mundrohr kaum ein Unterschied in der Mensur feststallbar. Und es gibt mittlerweile auch viele sinfonische Blasorchester, die durchaus mit WTs arbeiten.
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