Martin2 hat geschrieben:Gehören die Wagner- Tuben eigentlich zur Horngruppe oder sind sie den Tuben zuzurechnen? Kunitz schreibt in seiner "Instrumentation", daß bei Wagner diese Instrumente als Erweiterung der "Tubengruppe" gedacht waren. Somit gehören die aus dem österreichischen Tenorhorn entwickelten WTs also eher zu den Tuben als zu den Hörnern und werden nur von Hornisten gespielt, weil das Mundstück identisch ist (wie auch die Sopranposaune meist von Trompetern geblasen wird).
Erhielte man nicht den gleichen Klangeffekt, wenn man enge Tenorhörner mit (zu) kleinen Posaunenmundstücken versehen würde? (Wäre zudem billiger.) Meines Wissens nach sollten die WTs ein Mittler zwischen Horn- und Posaunenregister sein.
Also weicher im Klang als Posaune, aber markiger als Horn.
Wagner hatte vorrangig eine Klangvorstellung im Kopf, die er zu verwirklichen suchte. Auf dem Weg zur Wagnertube gab es einige Experimente: Cervenys Cornon war ein Tenorhorn ähnliches Instrument mit Hornmundstück. Hornisten beim Militär sollten auf dieses Instrument umsatteln, um mehr Volumen für die Freiluftmusik erzeugen zu können. (Es ist m. E. unverständlich, warum Kunitz die WT als ungeeignet für Blasorchester bezeichnet.)
Saxhörner wurden anfänglich ebenfalls in Erwägung gezogen. Die Klangvorstellung trafen erstmals (nach Meltons bereits erwähntem Buch) Ottensteiners Tuben 1875, die eine Weiterentwicklung der Cornone darstellten. Diese wurden auch in Wien eingesetzt. Kennzeichnend war eine engere Mensur als die von heute außerhalb Wiens gebräuchlichen Tuben. Alexanders weiter mensurierte Tuben kamen erst 1908 heraus und prägten die Klangvorstellung der Wagnertube - nach Wagner.
Somit dürften die Wiener Tuben, historisch gesehen, Wagners eigener Vorstellung heute am ehesten entsprechen.