Hallo Martin,
"zwangsverwestlich" ist vielleicht ein etwas unglückliches Wort, ich weiss aber was du meinst. In der DDR konnte man genau den Klang der Dresdner, Leipziger, Berliner und Weimarer Orchester genau unterscheiden. Das ist leider heute nicht mehr so. Und ich meine nicht gut oder schlecht - heute gibt es soliden 103-Einheitsklang.
Warum das so ist, dafür gibt es viele Gründe:
- die DDR-Hornisten und Studenten wollten gerne auch andere Hörner aus dem Westen ausprobieren, mir ist nur ein Nationalpreisträgerhornist bekannt, der ein Schmid-Horn hatte, damit auch Schallpaltten einspielte, als offizielles Horn jedoch nur ein Mönnig-Horn auf dem Cover genannt werden durfte.
- Die Aufstellung zur Einheit 1990 der westdeutschen und ostdeutschen Hersteller war extrem unglücklich, im Osten brach das Exportgeschäft weg, es gab himmelschreiend veraltete Technik und für viele war eine Kreditaufnahme fast unmöglich. Zudem kam eine unglücklcihe Selbstdarstellung bei Messen und sehr spät die schmerzliche Erkenntnis, das man um Kunden werben muss (in der DDR ging man nach Markneukirchen betteln).
- der Westen konnte liefern und das in einer guten Qualität.
- zudem Besuche Alexander mit kleinen Ausstellungen die Spitzenorchester und man gestattete Friedbert Syhre aus Leipzig, exlusiv mit Alexander-Hörnern zu handeln.
Nur langsam konnte z.B. Ricco Kühn sich wieder in die Reihe der anerkannten Hornbauer einfügen und einen Ruf aufbauen.
Und Martin du hast recht, es gibt Orchester, wo man in Spitzenpositionen Hornisten aus den alten Bundesländern hat, welche das 103-Modell einfach durchsetzen. Wie auch immer.
Und so höre ich mir immer wieder gerne die Aufnahmen der alten Besetzung des Rundfunksinfonieorchesters Leipzig an (gibt es z.B. hier
http://www.jpc.de/jpcng/home/detail/-/hnum/3497377/iampartner/a31 )
Die haben auf (ausgewählten) Hoyer-Hörnern sauschöne Musik gemacht. Und live klang es noch schöner.
Tja, un das Knopf-Horn kann ich nachfühlen, ich hatte auch mal ein geliehenes....