von Prof » Di 16. Feb 2010, 21:13
Lieber Spezi !
Manfred Neukirchner hat zweites gespielt, Hans-Walter Burkhart war am dritten (er ist jetzt im 84.) und Rolf-Jürgen Eisermann am 4.ten, glaube ich. Muß mirs noch am 25.2. anschauen. Seit 1985 ist schon lange Zeit vergangen.
ER hat nie jemand aufstehen lassen. Nur EINMAL. Das war in Pompei. Programm: Don Juan, Till und Heldenleben. 35 Grad anfang September. Generalprobe um 19:00. Till und Don Juan ganz durch, Heldenleben so zur Hälfte. 30 min. Pause. Dann Konzert, natürlich allein am ersten Horn - und Zugabe Meistersinger Ouverture. Am nächsten Tag gab es dann 7.Beethoven und Heldenleben. Das ging dann so zehn Tage kreuz und quer durch Italien bis nach Lecce runter, alles im Bus. Anschließend dann zwei Wochen an der Scala in Milano mit Schweigsame Frau, Daphne und Liebe der Danae. Auch Hornblasen "vom Besten". In Milano mußte ich dann noch von meinem Kollegen, der plötzlich eine Riesenplätschn auf der Oberlippe hatte, am Tag vor der ersten Schweigsamen Frau - wer kennt diese Oper ? sehr heikler Anfang im Rhythmus immer gegen das Orchester, sehr heikler 2.Aktschluß mit sehr leisem Solo nur über Posaunengezirpse, unmittelbar nach einem oft verzitterten Dreiklangabgang im dritten Horn, dann kriminellem dritten Akt (da könnt´s blasen, Burschen !!!) noch Daphne übernehmen, das aber ganz kurzfristig. Ich war zufällig den ganzen Tag in Turin zu einem Treffen mit den Nalli-Brüdern, kehrte aber schon am frühen Nachmittag nach Milano zurück, um in der Scala Kammermusik zu probieren. Mein Kollege wollte auch etwas üben. Es ging jedoch nur unter fürchterlichen Schmerzen. Da habe ich ihn einfach am nächsten Tag nach Hause nach München geschickt und selbst die restlichen fünf Strauss-Aufführungen gespielt. Natürlich auch die Daphne an diesem bewußten Abend. Ich bin einfach gleich in der Scala geblieben.
Daphne - naja, das ist eine einaktige Oper im Schwierigkeitsgrad des zweiten Strauss nur mehr als fünfmal so lange. Der Tonumfang ist vom ganz tiefen G bis zum hohen es3. Ich habs bei meinem ersten Mal 1967 ohne Probe, ohne das Stück gehört zu haben oder zu kennen unter Keilberth "vom Blatt gespielt". Konstantins Vater, unser damaliger Konzertmeister, sagte mir noch vor der Vorstellung: "Bei dieser Stelle müssen Sie aufpassen. Sie haben in dem Takt so viele Noten zu spielen. Machen´s das einfach, wir warten schon, bis Sie damit fertig sind !". Aber eines ist gut bei dieser "Dauerblaserei rauf und runter": der Ansatz funktioniert am nächsten Tag trotzdem gut. Ist eben von Richard Strauss.
Ja, zum Aufstehen, der sogenannten "Hundenummer" (weil ´s Hunderl so brav Manderl macht !!). Nach dem Konzertprogramm in Pompei, das ich glücklicherweise perfekt abgeliefert hatte - Konstantin war dabei als Verstärker für den Don Juan und als fünfter für Till (Original - kann aber weggelassen werden) und fünfter im Heldenleben - konnte ER nicht anders, als mich aufstehen zu lassen. Na und ?? Dafür war er aber IMMER gut - und immer zu Sonderregelungen für uns Solisten bereit (wenn wir als Solist ein Konzert irgendwo hatten und der Termin mit einer Hauptprobe kollidierte, hob er für uns die Regelung Haupt-, Generalprobe und Premiere gleiche Besetzung auf.). ER wird heuer 87 !!! Da hat ER dann den Böhm "Charlie" eingeholt. "Herr Böhm hat er gsagt, Herr Böhm, hams des ghört ? Nächstes Mal sagt er vielleich Tscharli zu mir !" (Probe in München).
Hödlmosarischer ! Nach de Hörner hast gfragt: alles Alex 103 und mein Ganter.