Welche Hornschule?

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Re: Welche Hornschule?

Beitragvon Martin2 » Di 13. Okt 2009, 12:16

Lieber Prof,

Dein Beitrag bestätigt meine Erfahrung, daß viele Schulen (und Lehrer) nur auf schnellen Erfolg ausgerichtet sind. Erfolg in dem Sinne, daß nicht die Basis des Hornspielens gefragt ist, sondern eine möglichst rasche Mitwirkung im Ensemble (welcher Art auch immer). Die "perfekte" oder "richtige" Hornschule gibt es nicht. Vielmehr sollte sich der Ausbilder viele dieser Unterrichtswerke zulegen, aus jeder Passendes und für den Schüler Nützliches heraussuchen oder die notwendigen Übungen selbst schreiben. Immer auf den jeweiligen Schüler und dessen Probleme zugeschnitten.
In welchem Tempo der Schüler lernt - ob er etwas schnell begreift oder eher etwas langsamer - ist unbedeutend. Hauptasche, er lernt es richtig und begreift es auch. Theoretisches Wissen ist ebenfalls sehr wichtig. Denn wenn der Schüler nicht begreift, was er tut, er den Ablauf eines Stückes nicht erkennen kann, etc., ist das Ergebnis tatsächlich ein bloßes Nachäffen.
Ganz wichtig sind Naturtonübungen! Intervallerkennung und auch des Registrieren von Naturtonpassagen innerhalb eines Stückes fördern den Bezug zum Instrument. Die Forderung von Oskar Franz, der Schüler solle bitteschön auf dem Naturhorn beginnen, ist heute nicht mehr realisierbar, weil zu teuer und würde wohl auch gar nicht mehr akzeptiert. Aber ein Ventilhorn bietet ja die Möglichkeit, in jede beliebige Natutonreihe umzuschalten.
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Re: Welche Hornschule?

Beitragvon Prof » Di 13. Okt 2009, 12:24

Bravo Martin2 ! Endlich einer, der auf meiner Welle tanzt. Meine Erfahrung ist die, daß man mit einer der bewährten alten Schulen (Oskar Franz, Schantl, usw.) sehr gut dran ist. Das ergibt ein hervorragendes Gerüst, das man nur nach Bedarf ergänzen oder kürzen muß. Wie von Dir gesagt, ist das Arpeggieren (Dreiklangspielen) mit den Naturtonreihen auf jedem Ventilhorn möglich, da wir doch auch nur Naturhorn spielen, allerdings mit der Möglichkeit, sofort und nach Belieben die Tonart mittels der Ventile zu wechseln.

Übrigens: in etwa zwei Wochen wird es Neuigkeiten im Falle Leitgeb (so schrieb er seinen Namen selbst) geben, nicht von mir, sondern von einem Wiener Musikhistoriker. Den Link zu seinem Homepage werde ich dann hier im Forum bekannt geben.
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Re: Welche Hornschule?

Beitragvon Beate_Pokorny » Mo 26. Okt 2009, 21:00

Liebe Hornisten! :D

Ich möchte mich - wenn auch ein bißchen spät - ganz herzlich für Eure Beiträge bedanken. Es waren für mich wertvolle Anregungen dabei, die es allemal wert sind, umgesetzt zu werden. Besonders veredelt wurde der Thread natürlich durch den Beitrag unseres lieben Prof, der uns sehr sinnvoll an die (und das darf hier ruhig erwähnt werden) von ihm veröffentlichten 92 Etüden für Anfänger von Josef Schantl erinnert hat.

Das waren alles duchaus fundierte Aussagen, die mir als Orientierungshilfe beistehen werden, wenn ich ggf. nächstes Jahr, nach dessen abgeschlossener zweiter Zahnung, meinem eigenen Sohn den ersten Hornunterricht auf einem F-Horn für Kinder erteilen werde.

Bussi, Eure
BEATE :lol:
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Re: Welche Hornschule?

Beitragvon Martin2 » Sa 16. Jan 2010, 09:05

Gestern machte mich ein Musiklehrer auf zwei sehr interessante Bücher aufmerksam, die als Begleitmaterial im Unterricht sehr geeignet sind:

Der Tessloff- Verlag biete die "WAS IST WAS"- Buchreihe an. Dort gibt es einen Band zum Thema Akustik und einen zum Thema Musikinstrumente. Beide Bücher erklären kindgerecht, aber präzise die Grundlagen des jeweiligen Themas. Und das wesentlich ausführlicher, als es in Hornschulen für Kinder zu finden ist.
www.wasistwas.de
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Re: Welche Hornschule?

Beitragvon Mr.Masterbrass » Fr 12. Feb 2010, 03:58

Hallo, ich kombiniere momentan Pottag Hovey Methode mit Horst Rapp Horn lernen mit Spaß. Das geht meisten schon mit 7 jährigen gut .
Für jüngere Schüler, mein jüngster Schüler ist 5 1/2 arbeite ich zuerst mit eigener Methode.

LG MrMasterbrass
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Re: Welche Hornschule?

Beitragvon Mr.Masterbrass » Fr 12. Feb 2010, 04:12

Prof hat geschrieben:Bei den Hornschulen und bei den meisten Instrumentalschulen gibt es heute ein großes Problem:

die Eltern und Lehrer wollen, daß die Kinder ganz schnell irgendwas irgendwo mitspielen können, o.k. Das ist ja nicht schlecht, hat aber den Nachteil, daß nur mitgespielt wird und ein Verständnis der Zusammenhänge selbst in den kleinsten Stücken nicht verstanden wird. Vom Intervallhören und - spielen braucht man da gar nicht zu reden. Das muß aber erarbeitet werden, da sonst nur eine eingeochste Nachäfferei bleibt. Diese Kinder können nicht Geübtes nie vom Blatt spielen, aber da fängt ja erst der Musizierspaß an, wenn man seinen Kumpeln irgendetwas an "schwarzen Kugeln auf weißem Grund und zwischen Strichen angesiedelt" in Töne umsetzen kann, und zwar spontan. Natürlich hat das bei Kindern Grenzen.

Wenn allerdings nach einer Hornmethode z.B. von Josef Schantl (92 Etüden für Anfänger, Große theoretisch praktische Hornschule) vorgegangen wird, dann erwirbt das Kind ziemlich schnell eine rhythmische Sicherheit zusammen mit einer ziemlich schnellen Intervallerkennung und Umsetzung. Die Kenntnis der verschiedenen Tonarten wird zusammen mit Artikulationszeichen, Variationen der Dynamik, Variationen in der Phrasierung und im Ausdruck sinnreich eingeübt, ohne die Kinder zu überfordern, sozusagen spielerisch. Dazwischen stecken dann immer kleine Vortragstücke zur Demonstration des Erlernten. Diese Übungen sind mit horntypischen Wendungen, die in der gesamten Literatur immer auftauchen, durchsetzt und trage so dazu bei, daß die Kinder schon im Antizipieren, also dem Vorausahnen der nächsten Phrase sicher werden. Das kann man bei den heutigen Unterrichtsmethoden nicht von allen Profihornisten sagen. Das Antizipieren ("wie es eben weiter gehen muß in der Stimme") muß geübt sein, sonst funktioniert alles nur mit "einhämmern". Da haben dann aber die Kinder dann nur so viel Spaß wie dressierte Hunderl und nicht mehr. Sie sollen aber richtig Spaß beim Musizieren haben.



Das geht aber bei der Schantl Methode natürlich erst viel langsamer als bei den neueren auf Kinder zugeschnittenen Methoden. Allerdings werden die Kinder, die z.B. in der Schantl Methode tapfer bleiben, nach sechs Monaten bis zu einem Jahr die anderen Kinder in der Bewältigung der gestellten Aufgaben fliegend überholen, da sie sich sowohl das bläserische Rüstzeug als auch die zur Bewältigung der kleinen Stücke notwendige Theorie inzwischen angeeignet haben. Es kann aber natürlich nicht erwartet werden, daß das mit allen Tonarten so funktioniert, aber wesentlich besser als nur das ewige C-Dur oder Es-Dur, bzw. B-Dur der meist aus der Trompeter- und Posaunengilde stammenden Bläserschulen für Kinder, die nicht auf dem F- sondern dem B-Verständnis kommen, was grundfalsch ist, da die klassische Notierung für Horn auf der F-Leseart aufbaut und sich selbst bei Transposition der Stimme immer an F orientiert.


Es kommt vor allem auf das Alter und die körperlichen Vorraussetzungen der Kinder an .
Früher fing man meist erst mit 12 Jahren an ein Blasinstrument zu erlernen, da funktioniert sicher auch Schantl. Allerdings im Altern von 6 bis 8 ist es sicher nicht sehr praktikabel .
Lieber Prof, hast du denn schon mal mit Kindern in diesem Alter, erfolgreich mit dieser Schule gearbeitet? LG MR Masterbrass
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Re: Welche Hornschule?

Beitragvon Peter » Fr 12. Feb 2010, 10:09

Es muss Spaß machen!!
Der Lehrer muss mit Liebe (nicht falsch verstehen: wie Elternliebe) auf seine Schüler individuell eingehen.

Horst Rapp: Hornspielen mit Spass, 2 Bänder und Weihnachtsliederheft; Rapp-Verlag

Jens-Uwe Weiß, Ich blas' Waldhorn

Volksliederbücher mit Noten und Text
(muss von den Hornlehrer/innen für die Anfänger in die
geeigneten Transpositionen umgeschrieben werden.

Albin Frehse: Der Anfang
(Verlag Friedrich Hofmeister Hofheim/Leipzig)

Fritz Huth: 45 neue Vorschulübungen
(Verlag Wilhelm Halter Karlsruhe/Baden)

Berhard Krol: Waldhorn-Studien für die Unterstufe
(Verlag: Elite-Edition No. 3234 © 1963 D. Rahter, London-Hamburg)

Siegfried Borris: Musik für Waldhorn, Hefte I und II
Verlag: Sirius-Edition Berlin © 1974 Heinrichshofen-Wilhelmshaven)

Michael Hoeltzel: Hornschule Band 1 und 2
Verlag: Schott, Mainz 1981

Daniel Bourgue: 16 petite Duos
Verlag Gérard Billaudot, Paris 1984

Franz Kanefzky: Leichte Duette für 2 Hörner
Verlag edition hage , Nürnberg 1993
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Re: Welche Hornschule?

Beitragvon Altcorno » Fr 12. Feb 2010, 11:58

Peter hat geschrieben:Es muss Spaß machen!!
Der Lehrer muss mit Liebe (nicht falsch verstehen: wie Elternliebe) auf seine Schüler individuell eingehen.

Fritz Huth: 45 neue Vorschulübungen
(Verlag Wilhelm Halter Karlsruhe/Baden)



Schade, dass die "Hornetüden" von Fritz Huth, Ed. Schott 3782, nicht mehr im Druck sind.
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