von Peter » Do 4. Feb 2010, 13:02
Da von der Horngemeinde bislang zu diesem Thema keine Beiträge gekommen sind, stelle ich hier meine Ansichten und Erfahrungen zur Diskussion.
Wir wissen ja alle, dass der Ziehbereich der Ober-Töne in den höheren Lagen - mit kleineren Abständen - abnimmt. Wir können beispielsweise ein kleines f auf dem B-Horn (2.Naturton) leicht einen halben Ton hochtreiben und eine große Terz fallen lassen. Bei dem f1 (4.Naturton) ist das dann nur noch die Hälfte und beim f2 (8.Naturton) ist es dann nur noch 1/8 Ton zum Treiben und 1/2 zum fallen lassen.
Was bedeutet das? Nach Vorgabe eines Ton bz. a1 oder b1 (klingend) können wir spielend selbst auf sehr verstimmten Hörner diesen Ton eine Oktave tiefer leicht nachspielen (mit dem Ansatz korrigiert). Die Frage bleibt aber, ob das Instrument auch wirklich maximal auf die vorgegebene Stimmung eingestellt ist.
In der Konsequenz bedeutet dieses, dass ich h o h e Einstimmt-Töne wählen sollte, wenn ich ein Horn optimal auf eine generelle Tonhöhe einstimmen will. Der Ziehbereich ist kleiner und es ist leichter "Soll" und "Ist" zu vergleichen.
Das ist beim Einstimmen im Orchester oder beim Solo mit dem Klavier eine Mutfrage. Am besten ist es sogar, wenn ich erst! mein e2 oder f2 spiele und dann mir das a1 von der Oboe oder das b1 z.B. vom Klavier geben lasse, denn ich muss den unausweichlichen Korrigier-Mechanismus (HörenBewerten-Ansatz) unterlaufen.
Natürlich wird jetzt jeder sagen: Zugegeben, es gibt diesen Ziehbereich, aber ich weiss genau wo der Ton am besten klingt/sitzt. Erfahrungsgemäß kann man sich da aber verdammt leicht irren!
Beim Einstimmen mit dem Klavier finde ich es sogar gut, wenn der Hornist sein f2 gesund und normal spielt, während der/die Pianist/in das Pedal drückt. Die Resonanz des Nachklanges auf dem Klavier zeigt mir deutlich das "Soll" und "Ist" (Je größer die Differenz der Töne, umso schwächer und diffuser der Nachklang und umgekehrt)
Jetzt ein paar Tips zum Einstimmen eines Doppelhornes:
Zunächst versuche ich die Grundstimmhöhe zu ermitteln und zwar wie oben beschrieben. (z.B. a1= 443 Herz).
Ich spiele hohe Töne c2 -f2-c3 (B-Horngriff 0) auf dem B-Horn und dann auf dem F-Horn (F-Horngriff 0). Ich versuche nun mit dem separaten F-Stimmzug das F-Horn dem B-Horn anzupassen. Habe ich das erreicht dann habe ich schon mal die beiden Doppelhorn-Sektionen auf einander eingestellt.
Wenn ich aber ein weit-mensuriertes Horn (die oft ein Oberton-Reihen-Verzerrungen aufweisen) habe, könnte es günstig sein, beide Sektionen etwas zu spreizen - also die F-Seite etwas tiefer einzustimmen.
Nun schau ich mir die Ventilzüge an. Hier ist die erste Frage, ob ich diese temperiert oder besser rein einstimme.
In der Regel stellt man das 2. Ventil auf 1/16 der Gesamtlänge ein
Das ist beim B-Horn ( Mundstück - Horn - Hand = akustische Länge 288 cm) genau 18 cm. Der U-förmige Bogen an dem Ziehring und die Ventil Ein- und Auslässe betragen erfahrungsgemäß je 3 cm. Es bleiben 12 cm übrig - d.h. Die Zuglänge ist vom Ventilausgang bis zu dem U-Bogen einschließlich der Zwingen 6 cm.
Natürlich gibt es winzige Unterschiede aber die Größenordnungen stimmen (akustische Physik)
Jetzt wende ich mich dem 1. Ventil zu:
Dieses muss nach der obigen Rechnung 36 cm lang - bzw. die Zuglänge ist vom Ventilausgang bis zu dem U-Bogen 15 cm.
Ich kann dieses aber auch sehr gut mit den Ohren einstellen.
Ich spiele auf dem Horn den 8. Oberton (beim B-Horn f2 oder beim F-Horn c2 = Griff 0)
Nun drücke zusätzlich das 1.Ventil und spiele den gleichen Ton - der ist jetzt aber der 9. Oberton. Dieser sollte einen wirklich nur kleinen Schatten höher sein. Ist er deutlich zu hoch, dann ist das 1. Ventil zu kurz und umgekehrt.
Das. 3. Ventil stimme am besten ein, indem den 12.Oberton vom 3. Ventil mit dem 10, Oberton ohne Ventil vergleiche.
Ich kann aber auch, ähnlich wie oben beschrieben, den 8. Oberton (es2 auf dem B-Horn mit 1 greifen und b1 auf dem F-Horn mit 1greifen) wieder mit dem 9. vergleichen. (es2 auf dem B-Horn mit 2/3 greifen und b1 auf dem F-Horn mit 2/3 greifen) Dieser jeweils 9. Oberton sollte einen wirklich nur kleinen Schatten höher sein. Ist er deutlich zu hoch, so ist das 3. Ventil zu kurz und umgekehrt.
Man kann diese Vergleichsmethode weiter fortsetzen. Ich prüfe z.B. gerne, ob das cis2 auf dem B-Horn (Griff 2/3) mit dem cis2 auf dem F-Horn (Griff 2) identisch ist.
Wir wissen ja, das alle Ventilkombinationen bei vertiefenden Ventilen zu kurz/hoch sind.
Oft fühlt man sich gestört, das 1/2 Griffe zu hoch sind .
Hier gibt es einen interessanten Tip:
Bei Stücken für Horn in Es kann es vom Vorteil sein, das 2. Ventil vom B-Horn etwas (7mm) zusätzlich auszuziehen. Das 3.Ventil müsste um diesen Betrag reingeschoben werden.
Bei Stücken für Horn in D kann es vom Vorteil sein, das 1. Ventil vom B-Horn etwas (7mm) zusätzlich auszuziehen.
Aber Vorsicht!
Nach den Stücken bitte nicht vergessen, die Ventilzüge wieder auf Normalposition zu schieben.