von Prof » Sa 6. Feb 2010, 07:01
Ehrgeiz hin, Ehrgeiz her. Es gibt einen Grund dafür, daß der Solohornist bzw. die Solohornistin (eigentlich Blödsinn, daß man immer Männlein und Weiblein nennen muß, wo doch heute an allen Positionen Weiblein und Männlein sitzen ! So trifft "Solohornist", nicht auf die Person bezogen, sondern die Stimme, auf alle Ausführenden zu !) das Solo bzw. die Solostellen im Adagio spielen:
wenn man an der ersten Stimme sitzt, ist man die Solobelastung einfach gewohnt, während das vierte Horn kaum ein längeres Solo in derart hervorgehobener Art zu spielen hat. Es hat überhaupt nichts mit dem persönlichen Können zu tun. Diese Stellen nur einfach gut zu spielen, das reicht einfach nicht. Es reicht auch nicht, diese Stellen fehlerfrei zu spielen. Diese Stellen sind musikalisch so wichtig, daß sie eben "solistisch" gebracht werden, u.z. in einer Art, daß sie auch in der unteren Dynamik mit allen Farben und Ausdrucksmöglichkeiten den Zuhörer berühren und bewegen, wie es der Komponist im Sinne hatte. Dazu gehört eben die solistische Erfahrung des ersten Horns, wenngleich auch viele erste Hornisten genau diesen Punkt nicht schaffen, aber zumindest diese Aufgaben leichter und verläßlicher übernehmen können, weil sie es gewohnt sind.
Den allzu ehrgeizigen "Vierten" empfehle ich zum Abbau ihres Ehrgeizes die Betätigung in der Kammermusik.
Zur "Neunten" gibt es eine lustige Geschichte aus meinem ehemaligen Orchester. Der junge Heinrich Hollreiser dirigierte die Neunte hier in München irgendwann 1944, da Clemens Krauss bereits nach Innerösterreich abgehauen war. Bei der Probe nach einer Bombennacht erschienen nur zwei Hornisten: Josef Suttner am ersten und Arthur Eitler, der von den Münchner Philharmonikern abkommandierte dortige Solohornist, am dritten Horn. Was tun ? Pulte zusammenschieben, beide Hornisten in der Mitte nebeneinander. Da die beiden Hornpaare nie gleichzeitig spielen müssen, schlug Arthur Eitler vor, neben Suttner das zweite Horn selbst zu übernehmen, wenn das erste Paar dran wäre, und wenn Suttner das vierte Horn übernähme, wenn er, Eitler, am dritten Horn zu spielen hätte. Es hat großartig funktioniert. H.Hollreiser hat selbst im Konzert nichts gemerkt, da er seinen Kopf immer tief in die Partitur versenkt hatte. Arthur Eitler lebt übrigens immer noch. Er wurde ein bedeutender Münchner Maler und steht im 96.Lebensjahr.