Prof. Pretz erklärt Tonfrequenzen

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Prof. Pretz erklärt Tonfrequenzen

Beitragvon a.r.cor » So 2. Jan 2022, 20:31

Hallo,

habe im BR eine Sendung mit Prof. Jörg Pretz gehört und war erstaunt, daß (ab etwa 6'10 bis 6'50) nach dem tiefsten 100 Hz-Ton der folgende Ton nicht genau eine Oktave höher war (analog zur Horn-Naturtonreihe). Hätte erwartet, daß die Töne 200 Hz (eine Oktave höher), 300 Hz (Oktave + Quinte), 400 Hz (zwei Oktaven höher) usw. folgen würden.
Liegt dies an dem sehr kurzen Stück Gartenschlauch oder gibt es eine andere Erklärung?

Danke und viele Grüße
Achim

https://www.br.de/mediathek/video/prof- ... 00137e9649
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Re: Prof. Pretz erklärt Tonfrequenzen

Beitragvon Günther » Mo 3. Jan 2022, 17:16

Hallo Achim,

soweit ich das weiß, sind auf einem zylindrischen Rohr ohne Trichter nur die ungeradzahligen Oberwellen spielbar. Ich kann das mit dem Bogen meines Wienerhorns nachvollziehen. Das ist zwar leicht konisch, aber ohne Trichter. Es gehen nur die ungeraden. Die Erklärung liefert dafür die Webster-Horngleichung.

Beste Grüße

Günther

P.S.: Eine ähnliche Diskussion gab es schon einmal im Forum:

https://wienerhorn.com/forum/viewtopic.php?f=4&t=189&p=6517&hilit=oberwellen&sid=55a06abf3e23b24f8425f189f367ef6f&sid=55a06abf3e23b24f8425f189f367ef6f#p6519
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Re: Prof. Pretz erklärt Tonfrequenzen

Beitragvon a.r.cor » Mo 3. Jan 2022, 21:27

Vielen Dank, Günther,

werde dies mal mit einem längeren (3,70 m) Gartenschlauch - ohne Trichter - ausprobieren.
Die o.g. Frequenzen (100, 300 und 500 Hertz) entsprechen ungefähr den Tönen Gis, d' und h'.
Werde die verlinkte Diskussion durchlesen und versuchen, die für den Hornisten neuen Fachbegriffe und physikalischen Regeln zu verstehen.

Viele Grüße
Achim
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Re: Prof. Pretz erklärt Tonfrequenzen

Beitragvon jjp » So 9. Jan 2022, 12:07

Lieber Achim,

danke für das Interesse an meinem Vortrag.
Falls Du das direkt am Neujahrstag auf ARDalpha gesehen hast,
freut mich das natürlich besonders, da die Sendung in direkter
Konkurrenz zum Neujahrskonzert aus Wien gesendet wurde!

Was die physikalischen Aspekte betrifft, hat Günther völlig recht.
Für ein zylindrisches Rohr sind nur die ungeraden Vielfachen
der Grundfrequenz spielbar, unabhängig von der Länge des Rohres.
Man kann das formal mit der Webster-Horngleichung zeigen.
Das erfordert aber das Lösen einer Differentialgleichung.
Unter dem Link (https://web.physik.rwth-aachen.de/user/pretz/talks/talks.html)
findest Du eine .pdf Datei mit einem Vortrag,
den ich bei anderer Gelegenheit über das Thema gehalten habe. Auf Seite 9
gibt es eine einfachere Erklärung der ungeraden Vielfachen.

Die ersten drei Töne sind übrigens ungefähr g,d und h,
also ein Durdreiklang. Die Frequenzverhältnisse sind ja 1:3:5.
Also Oktave + Quint für das erste Intervall und zwei Oktaven + große Terz
für das Intervall vom ersten zum dritten Ton.

Gruß

Jörg
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Re: Prof. Pretz erklärt Tonfrequenzen

Beitragvon a.r.cor » Fr 21. Jan 2022, 22:12

Ganz herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung, Jörg; und dies sogar über dieses Forum!

Die Erklärungen Ihres Vortrags mit Schwingungsknoten bzw. Schwingungsbauch sind sehr gut verständlich; hätte bis zu Ihrem Fernsehauftritt allerdings nicht gewußt, daß man zwischen konischen (Horn z.B.) und zylindrischen Rohren (Gartenschlauch z.B.) so sehr zu unterscheiden hat. Die jeweiligen Naturtonreihen sind also komplett verschieden.

Viele Grüße
Achim
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