Mi 26. Aug 2009, 10:32
lieber Martin2,
ich find Dein Konzept zur Erlernung des Transponierens durchaus interessant.
Ich habe diesbezüglich jedoch einen anderen Ansatz:
Zunächst darf ich mich selbst zitieren: "…Ich selber bin von der Relativität der Tonarten überzeugt. Bei uns Hornisten ist die in C notierte Obertonreihe der Maßstab Nr,1. Und seit es die Ventile gibt, die in ein F-Naturhorn eingebaut wurden, ist Horn in F Maßstabe Nr.2
Wir müssen mit beidem leben.…"
Ich beginne bei allen Schülern/innen - egal wie alt - schon am ersten Tag mit dem Transponieren nach den oben zitierten
Maßstab 1.
Sowie der Schüler ein, zwei oder drei (Natur)töne in F spielen kann, lasse ich ihn diese in E (F-Horn 2) und in Es (F-Horn 1) usw. wiederholen. Dieses ist wirklich "kinderleicht". Die meisten meiner Einblas- und Anfangsübungen basieren auf der Obertonreihe. Die Schüler lernen somit spielerisch die Relativität der Tonarten.
(Nb: es nervt mich, wenn in Hornschulen und Etüden jede Übung zig-mal in verschiedenen Tonarten aufgeschrieben wird. Es gibt Tonleiterstudien, bei denen alle Tonarten auf 30 Seiten minutiös aufgeschrieben sind. Das verbraucht Papier und schult nicht den Geist)
Das Transponieren nach dem Maßstab 2 ist dann schon etwas komplizierter: Das Wichtigste ist zunächst, den Schüler zu motivieren, so dass er nicht abblockt.
Ich lass ihn zuerst die Töne "ausrechnen" und dann die Griffe. Wenn sich ein Ton wiederholt, dann bedeute ich ihm, das er diesen nicht noch mal "ausrechnen" muss, sondern versuchen soll, sich zu erinnern. Dasselbe gilt für die Griffe.
Dieser Erinnerungseffekt ist der eigentliche Lernvorgang.
Es gibt eine sehr schnelle und leichte Möglichkeit, in dem man einfach "Grifftabellen" auswendig lernt. Leider verliert man dabei leicht die Orientierung auf dem Horn (man merkt das, wenn der Schüler immer zunächst den Anfangston sucht). Aus diesem Grund lehne ich diesen Weg ab.
Ich tröste meine Schüler immer damit, dass die Kunst des Transponierens zu mehr Unabhängigkeit verhilft, dass sich meist die Stücke leichter vorweg lesen/hören lassen und da das alles eine Kopfsache ist, kann man auf anderen Instrumenten automatisch transponieren.
Wenn nach einiger Zeit (2 bis 3 Jahren) ein gewisser Grundstandard erreicht ist, empfehle ich Lucien Thevet's 50 Übungen zum Wechsel der Stimmungen (ist z. Z. leider vergriffen - man muss sich Fotokopien/Reprints besorgen). Hier wechseln die Transpositionen phrasenweise. Die Schüler müssen alles in gewohnter Weise "ausrechnen" und als krönenden Abschluss lasse ich mir (einschl. der Transp,) diese Etüde vorsingen. Wenn man das kann, ist man sehr überrascht, wie leicht Transponieren, ja, Hornspielen ist.
Als Trost verspreche ich dem Schüler: "Wenn wir dieses Heft durch gearbeitet haben, dann sprechen wir nie wieder über das Transponieren, denn du kannst es!"
Hier eine merkwürdige Erfahrung:
Ich habe im letzten April in Argentinien unterrichtet. Dort begegnete mir eine sehr komplizierte Noten-lese-weise: Es gelten die Regeln des Solfeggio und der Solmisation, also do, re, mi , fa, sol usw. dieses aber auf die abosulte (klingende) Tonhöhe bezogen. Wenn in einer Hornstimme in F ein c erscheint, so nennen die dortigen Musiker diesen Ton Fa. Wenn es ums Transponieren geht, fängt die große Konfusion an. Natürlich gibt es in der Solmisation auch Vorzeichen. Ein Fis ist z.B. ein Fa-diesis und ein Es ist ein Mi-bemolle. Das lässt sich natürlich schlecht singen, Also singt man z.B. nur Mi, aber einen halben Ton tiefer, wenn Es gemeint ist. Der Schüler - selbst schon fortgeschrittene Schüler kennen oft den Unterschied zwischen in Es und in E nicht, denn sie nennen es ja alles nur einfach in Mi. Ich empfand das als eine Art "Doppeltransposition" und eigentlich nicht empfehlenswert.
Überhaupt spielen in Solmisation ausgebildete Schüler, wenn es ums Blattspielen geht, meist zunächst ohne Vorzeichen, Sie haben überhaupt kein Gefühl für Tonarten. Darüber hinaus singen sie immer mit den Solmisationssilben, was eine natürliche Artikulation erheblich erschwert.
Ob diese Ausführung auf Zustimmung oder Ablehnung stoßen?
Ich bin gespannt und danke für die Geduld!
Zuletzt geändert von
Peter am Mi 26. Aug 2009, 10:46, insgesamt 1-mal geändert.